Reisende der Gegenwart

 

 


Rapa Nui mit dem Segelschiff – auf der Wasserautobahn

Zum alljährlichen Tapatifest, hier im Januar 2010, liegen meist mehrere Segelboote vor der Insel.

 

 

 

Auszug aus einem Bericht der Segler Beate Roter & Heinz-Jürgen Scheld

S/Y "Assy III", L. 18m., B. 4,62m. T.2m. 10/98

 

Von Galapagos aus erreichen wir nach 15 Tagen und 1943NM schönem Segeln, bei halben Wind, im Südost Passat, Rapa Nui, die Osterinsel. Unser Anker fällt vor Hanga Roa. Die Einklarierung ist einfach ohne viel Bürokratie. Die Beamten von Zoll, Immigration und der Hafenkommandant sowie die Gesundheitsbehörde kamen an Bord und wir hatten innerhalb von fünf Minuten den Eindruck, einer spontanen Party. Weiter 10 Minuten später verabschiedeten sie sich freundlichst und wir hatten das Gefühl, von Herzen willkommen zu sein.

Rapa Nui ist immer noch ein Ziel, das nur von sehr wenig Seglern angelaufen wird. Wir waren die einzigen auf der gesamten Insel. Die abseitsgelegene Lage, aber auch die fehlenden sicheren Ankerplätze sind wohl dafür verantwortlich.

 

 

Mit einer "Nußschale" heil durch die Brandung zu kommen will gekonnt sein. Fotos: Moritz Hertel

 

Auf unserem Ankerplatz vor Hanga Roa steht auch bei wenig Wind erheblicher Schwell, etwa ein Meter. Der macht das Hineinfahren und Anlegen in den kleinen Hafen, der nur für kleine Fischerboote ist, zu einen echten Abenteuer. Denn vor der Hafeneinfahrt brechen sich die Wellen, so dass die einheimischen Surfer ihre Freude haben. Für unser Dinghi war es ein Balanceakt zwischen Warten und Geschwindigkeit. Warten auf eine nicht allzu hohe Welle und dann Geschwindigkeit, um auf deren Rücken sicher in den kleinen Hafen zu gelangen.

Besonders spannend wird es abends, wenn man im Dunkeln zum Schiff will. Unerwartet tauchte aus der Dunkelheit eine Gischtwand auf und wir waren nass bis auf die Haut. Glücklicherweise haben wir uns nicht überschlagen. Nach dieser Erfahrung galt, die Rückfahrt abends findet nur noch mit starker Taschenlampe statt.

 

Es gibt einen kleinen, für Yachten bedingt tauglichen Hafen. Er liegt 1 NM südlich von Hanga Roa, in Hanga Piko. Er wird von der Marine betrieben und man benötigt deren Erlaubnis, um dort festzumachen. Diese wird in der Regel erteilt, wenn am Schiff irgendwelche Reparaturen auszuführen sind. Das liegen dort ist kostenlos, aber auch ohne Strom und Wasser.

 

Wir haben von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht, denn neben der wirklich abenteuerlichen Einfahrt zwischen Riffen, über denen sich die Brandung schäumend bricht, (deshalb verlangt die Marine einen einheimischen Lotzen, um die Yacht in den Hafen zu bringen) kann dieser kleine Hafen schnell zur Falle werden, aus der es, bei den schnellen Wetterveränderungen auf der Insel, kein Entkommen mehr gibt. Wir haben es vermieden, uns vorzustellen, welches Chaos dort entsteht, wenn durch eine Winddrehung die Brandung ungehindert in die ungeschützte Hafeneinfahrt läuft. Auch ist er, wenn überhaupt nur für kleiner Boote bis maximal 14 Meter geeignet, auch der Tiefgang beträgt an den halbwegs sicheren Plätzen bei Ebbe nur etwa. 1,5 Meter.

 

Die beste Zeit, Rapa Nui zu besuchen, ist Oktober bis Februar. Denn in dieser Jahreszeit herrschen schwache Winde vor. Von März bis September ist das Wetter unbeständiger und der Wind erheblich stärker. Windstärke 10 ist zwar nicht an der Tagesordnung, aber durchaus im Bereich des Möglichen.

 

 

Alles in allem, die Osterinsel ist ein lohnendes Ziel für alle, die von der mittlerweile überfüllten Barfussroute einmal abweichen und ihre eigene Spur zu ziehen wollen.

 

Für alle, die mit Bordtier unterwegs sind, sie sind auf der Insel willkommen. Die Papiere (Impfpass) sollten allerdings in Ordnung sein.

 

Beate und Heinz-Jürgen, "S/Y Assy III"

 

 

Der Schweizer Künstler Erwin Moser war vom 19. bis 23. September 2009 auf der Osterinsel

 

Auszüge aus seinem Tagebuch

 

19. September 2009 Santiago – Mataveri Osterinsel

Um 6 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen in Santiago, einchecken und fünf Stunden nach Matavari fliegen. Zum Glück mit neuem Airbus und perfektem Medienangebot. Nach zweiSpielfilmen landen wir auf der wundersamen Insel. Da ich den Koffer in Santiago gelassen hatte, trug ich nur den Rucksack und konnte daseinfache Flughafengebäude problemlos verlassen und wurde von einer deutschen Frauund einem Blumenkranz in Empfang genommen. Sie brachte mich in ein Gästehaus, wo ich meinen Rucksack deponierte und mit Kamera bewaffnet ins Dorf marschierte. Das

Dorf besteht aus einfachen, einstöckigen Häusern. Die Gästehäuser und Hotels liegen meistens ein wenig versteckt in tropischen Gärten.

An den Strassen sind unzählige Büros mit Vermietungen von Fahrräder, Motorräder und Vierrad angetrieben Autos. Viele bieten auch Führungen an. Es stehen für das kleine Dorfviele Autos an den Straßenrändern. Mir ist aufgefallen, dass für die kürzesten Streckendas Auto benutzt wird. Im Dorf sind zwei große Gebäude mit Ständen wo Souvenirartikel wie Schmuckketten, T- Shirts, kleine Moais, Muscheln usw. verkauft werden. Die Menschen leben zum großen Teil vom Tourismus.

Das Dorf Hanga Roa, wie die Hauptstadt heißt, liegt am Meer, dessen Küste steinigund wild ist. Bei dem starken Wellengang übt sich die Dorfjugend im Wellensurfen.Am Hafen ist eine Bucht mit wenigen Fischerbooten und einigen einfachen Restaurants. Die erste Ahu mit einem grimmigen, verwitterten Moai steht am Hafen, wie immer mit dem Rücken zum Meer.

 

 

 

20. September 2009 Ausflug nach Orongo

Da der Halbtagesausflug erst am Nachmittag begann, hatte ich Zeit nochmals das Dorfund seine Umgebung anzuschauen. Es war Sonntag und mein Gästehaus lag in der Nähe der Kirche. Es war eine christliche Kirche und gerammelt voll. Neben Einheimischenwaren auch viele Touristen anwesend.

 

21. September 2009 Ausflug zum Ahu Akivi

Der Ahu Akivi befindet sich mit seinen sieben Statuen in der Nähe der Westküste derInsel, wo man auch zahlreiche Höhlen besichtigen kann. Die fast gleich großen Figurenblicken als einzige in Richtung Pazifik, so hat es jedenfalls auf den ersten Blick denAnschein. Deshalb wurde dieser Anlage von zahlreichen Autoren eine besondereBedeutung zugeschrieben. "Die einzigen Statuen, die auf das Meer schauen".Doch die Erklärung dafür ist ziemlich einfach. Auf Grund der Geländeformation und wegen der zahlreiche Höhlen in Richtung Küste, haben sich vermutlich die Erbauer dafürentschieden, die Statuen etwas ins Landesinnere zu versetzen.

Die Legende erzählt von sieben Kundschaftern, die Ariki Hotu Matua einst über das Meer schickte, um nach einer neuen Insel Ausschau zu halten, auf der sein Volk weiterleben kann Der Ahu Akivi soll als Denkmal für die sieben wagehalsigen Männernerrichtet worden sein. Archäologische Ausgrabungen und Datierungen ergaben ein Baudatum um 1460 nach Christus.

 

Ausflug nach Tongariki

Die Anlage Tongariki ist einmalig in ihrer Größe und Schönheit. Kommt man näher zurAnlage, fehlen fast die Worte zur Beschreibung des gewaltigen Baudenkmals. 23.000 Kubikmeter Lavagestein sind zu einer keilförmigen Rampe aufgeschichtet und 15 kolossale Statuen aus dem Lavatuff des Rano Raraku stehen tonnenschwer auf denflachen Fundamentplatten. Die Kulisse ist ergreifend. Im Rücken der Steinriesen dertiefblaue Pazifik, unweit im Inselinnern, die steil abfallende Felswand des Rano Raraku

 

Am 23. September ging der interessante und anstrengende Ausflug glücklich und ohne jegliche Probleme zu Ende.

 

 

 


Clemens Schürmann war im Januar 2008 mit seiner Frau auf der Osterinsel und ist begeistert:

Zu den beeindruckensten Erlebnissen auf der Osterinsel gehörte für uns eindeutig:

- die Bootsfahrt zu den Motu Inseln von wo die Rapa Nui damals das erste Ei geholt haben.

- die Nordwestküstenwanderung, die wir am Anakena Strand begonnen haben und bis Hanga Roa zurück gewandert sind. Allerdings waren wir danach auch ziemlich ko.

- der Sonnenaufgang am Tongariki, zu dem wir zwei Mal fuhren. Beide Male haben wir andere Touristen eingeladen, mitzukommen. Anschließend waren sie sichtlich dankbar, weil sie so etwas Schönes sonst nicht erlebt hätten.

- die vielen Sonnenuntergänge am Tahai Komplex.

- einen Sonnenuntergang am Vulkan Rano Raraku wenn die untergehende Sonne die Moais für etwa zehn Minuten in ein wunderschönes goldenes Licht taucht.

 

- die Fahrt bei Vollmond um Mitternacht zum Te Pito O Te Henua. Dabei dieser fantastische Sternenhimmel der Südhalbkugel. Ein unbeschreiblich mystisches Erlebnis.

- Viele Höhlen, die wir gesehen haben. Besonders sehenswert natürlich die Zweifensterhöhle Ana Kakenga, und nicht zu vergessen, die Jungfrauenhöhle Ana O Keke, zu der wir zweimal gewandert sind.

Auf dem Kunstmarkt Mercado haben wir durch einen Tipp den Künstler Miguel Nahoe und seine Frau kennengelernt, von dem wir einen Holzmoai gekauft haben. Wahnsinnig nette Personen. Die beiden hatten uns dann für Sonntag zur frühen 9:00 Uhr Messe in die Kirche eingeladen. Das war unglaublich schön, weil die Lieder dieser Messe in der Rapa Nui Sprache gesungen werden. Kann ich nur jedem empfehlen.

Letztendlich sind wir immer noch froh, volle 14 Tage auf Rapa Nui gewesen zu sein und so viel gesehen zu haben. Und dennoch gibt es im Nachhinein immer noch das Eine oder Andere was man gerne gesehen hätte. Nur steht halt manches nicht in den Reiseführern oder im Internet. Darum wollen wir unbedingt noch mal auf die Osterinsel.

Wir hatten die 14 Tage einen Jeep gemietet und waren immer auf eigene Faust unterwegs. Die Kreuzschiffreisenden, die wir einmal sahen, haben wir auch in keinster Weise beneidet. Denn sie bekommen meistens nur einen Bruchteil der Insel zu sehen. Dadurch können sie die volle Schönheit und Faszination der Osterinsel leider nicht erfahren. Dafür braucht man einfach mehr Zeit als nur einen Tag.

Auf jeden Fall haben wir fest vor, noch einmal auf die Osterinsel zu fliegen. Das war mein größter Traum auf den ich über 30 Jahre gewartet habe. Seit meiner Schulzeit war ich von dieser Insel fasziniert. Nach unserem Besuch bin ich noch mehr begeistert.

Clemens Schürmann (Text und Fotos)

 

Dana erkundet die Osterinsel mit dem Fahrrad

Dana Thalmann und ihr Freund haben das im Juli 2009 probiert

Wir sind zu Fuß von Hanga Roa die Südwestküste über Ahu Akivi bis nach Puna Pao bis zurück nach Hanga Roa gelaufen, zwischendurch Abstecher zu diversen Höhlen eingeschlossen. Wir sind von Hanga Roa bis nach Anakena und an der Ostküste (Tongariki) wieder zurück nach Hanga Roa mit dem Fahrrad gefahren und haben die gesamte Inselmitte einschließlich des Kraters Terevaka auf dem Pferderücken erschlossen. Ach so, in Orongo und dem dazugehörigen Vulkan waren wir ja auch noch, alles zu Fuß erwandert. Am Vormittag schauen wir uns den einzigen Ort der Insel an, Hanga Roa. Hier ist alles ziemlich teuer, weil das meiste importiert werden muss. Außerdem entdecken wir ein Grundstück mit dem "Parliament of Rapa Nui", auf dem eine Kampagne dafür gezeigt wird, dass die Osterinsel-Bewohner lieber zu Polynesien als zu Chile gehören wollen. Am Abend gehen wir in eine Kneipe, wo es fangfrischen Thunfisch, schwarze Bohnen und Guacamole (Avocadobrei) gibt. Kurze Zeit später beginnt ein Duo aus Trommel und Gitarre einheimische Musik zu spielen, wobei das vorwiegend einheimische Publikum lautstark mitsingt. Während sie im Laufe des Abends auf 'international' umschwenken, ist ihr letztes Lied schließlich ein Ohrwurm von Eric Clapton.

Samstag, 18.7. Heute machen wir eine Radtour fast um die gesamte Insel. Es scheint wieder die Sonne, zumindest am Anfang. Unser Ziel ist der einzige kleine Sandstrand im Norden der Insel, Anakena. Nach wunderschöner Fahrt zwischen Vulkanen entlang rät uns eine XXL-Eingeborene, unsere Räder bei ihr abzustellen, die Strandumgebung zu erkunden und dann bei ihr frischen Fisch zu essen. Das können wir kaum ablehnen. Ein Bad im tosenden Pazifik lasse ich mir nicht nehmen, vor allem wenn einem riesige Moais dabei zuschauen. Hier sind die Wellen zum Glück nicht ganz so hoch wie überall sonst auf der Insel.

 

Die XXL-Mama verlangt neben einem stattlichen Preis für ihren Fisch auch noch einen Kuss auf ihre Wange fürs Aufpassen auf die Räder. Weiter geht's an die Ostküste, wo wir neben Hieroglyphen die größte Sammlung von moai bestaunen können: In Ahu Tongariki stehen 15 dieser Kolosse in Reih' und Glied. Ein Eingeborener, lediglich mit einem Lendenschurz und tradtioneller Frisur bedeckt, sammelt herumliegende Steine auf, lässt sich aber von keinem Touri fotografieren. Ab heute zelten wir nun auch. Bei extremen Stürmen, Monsterwellen und ohrenbetäubendem Meeresrauschen macht das Danchen diese Nacht kein Auge zu. Das Zelt ist nicht das stabilste... Auch ich schlafe unruhig, da ich öfter daran denken muss, dass es hier 1960 schon mal einen Tsunami gab - nun, aber ich schlafe wenigstens ein bisschen. Sonntag, 19.7. Von der Nacht völlig entkräftet suchen wir morgens eine Kneipe, einen Supermarkt, eine Bäckerei - nichts hat Sonntag hier offen. Da entdecken wir eine Kneipe, die in drei Stunden ihre Neueröffnung feiern wird - und wir sind deren erste Kundschaft. Frisch gestärkt geht's nun auf den südlichen Vulkan, Rano Kau. Mächtig beeindruckend thront der riesige bestimmt 1000m breite Vulkankrater schließlich vor uns, an dessen Rand wir besser nicht zu nah ran gehen. In seinem Inneren hat sich der Krater teilweise mit Wasser gefüllt und durch die windgschützte Lage hat sich hier oben eine ganz eigene Flora entwickelt. Nach einer halbstündigen Kraterrandwanderung sind wir auf der anderen Seite angekommen und bewundern nun die Ruinen des kleinen Dorfes Orongo: Hier fanden vor tausend Jahren die "Meisterschaften" des Vogelmannkultes statt. Nach dem Abstieg zurück in Hanga Roa hält ein Pick-up auf dem zentralen Dorfparkplatz und verkauft direkt von seiner Ladefläche die zwei großen Thunfische, die er gerade gefangen hat: So ein Thunfisch ist immerhin zwischen anderthalb und zwei Meter groß! Montag, 20.7. Heute um 10 Uhr haben wir ein date mit einer Eingeborenen und drei Pferdis. Der Plan, den höchsten Vulkan Terevaka (510m) im Sattel zu erklimmen, gelingt zwar, aber ein Teil meiner Weichteile bleibt beim ersten moai liegen und braucht ne Pause. Der andere Teil quält sich die fünf Stunden im Folterinstrument (*als Sattel kann man dieses Brett mit Höcker, wo eigentlich keiner hingehört, nicht bezeichnen*) den Vulkan hoch und wieder runter. Abgesehen von diesen 'Nebensächlichkeiten' wie persönliches Befinden ist die Landschaft grandios, beim Blick von hier oben kann man die ganze Insel überschauen. Dazu gibt's noch Mystik pur: Beim Blick in den Krater schlägt das Wetter um und Nebel zieht auf. Der Herab-Ritt wird dann aber zur Tortur, die letzte Stunde verbringe ich in ohnmachtsähnlichen Zuständen. Trotzdem war's ne Augenweide und mal 'ne Herausforderung der anderen Art.

 


 

Johannes Groht berichtet 1994 von der Osterinsel

 

 
Jeden Abend verlasse ich meine kleine Pension nach dem reichhaltigen Dinner und gehe noch einmal die Straße hinunter zur caleta, dem Hafen mit den Fischerbooten, um den Sonnenuntergang zu sehen. Vorbei an der Schule, aus der Weihnachtslieder klingen. Stille Nacht, heilige Nacht, unter Palmen, das Klavier ist verstimmt.

 

Ich habe ein Plätzchen gefunden, das ich bisher mit niemandem geteilt habe, wo ich ungestört lesen und auf das Meer blicken kann. Es macht die Wüste schön, sagte der kleine Prinz, dass sie irgendwo einen Brunnen birgt (Saint-Exupery).

Diese Insel ist so eine Art Oase. Hier kann ich aufatmen und mich neu orientieren. Die Karawane der eiligen Touristen kommt und geht wie ein Sandsturm, sie sehen, was sie sehen wollen, und werden weitergetrieben. Unablässig bläst der Wind über das karge, reiche Land. Wenn ich über die Hügel streife und längst vergessene Felszeichnungen finde, wenn ich mit dem Motorrad über die staubigen Pisten heize oder durch schlammige Löcher in dunkle Höhlen krieche, dann erscheint mir diese Welt üppig und lehrreich. Steine und Pflanzen sprechen zu mir, alles vibriert vor Lebensenergie, die sich Bahn brechen und Form annehmen will.

Die Lava bildet Strukturen, aus denen die Ornamente der Petroglyphen und die Bilder von Vögeln und Fischen ganz natürlich herauszuwachsen scheinen. Manchmal hat sie sich zu hohen Mauern aufgetürmt, die den feingefügten Quadern des Ahu Vinapu in nichts nachstehen. Die Grenzen von Natur und Kultur verfließen. Ob die Moai von einer Flutwelle oder einer Welle der Gewalt umgestürzt wurden, kann man ihnen nicht mehr ansehen. Und wenn man durchs Gebüsch bricht und die verdörrten Schoten der Sträucher rasseln hört, wird einem plötzlich klar, wie einmal ein Mensch die Rassel erfunden hat.

 

Alles, was wir tun, scheint längst in der Natur angelegt zu sein, es wächst einfach aus ihr hervor. Was sind Erfindungen anderes als Entdeckungen? Eine Frau ruft mir etwas zu und winkt mich zu sich, und so lerne ich Nua kennen. Sie wurde als achtes Kind einer polynesischen Familie geboren, und ist hier aufgewachsen. Sie ist klein und energisch,und arbeitet als guardaparque in Orongo oder am Rano Raraku, wo sie die Touristen von den Petroglyphen verscheucht und die Moai bewacht. So hält sie den Kontakt zur Außenwelt und lernt viele neue Menschen kennen.

Sie wohnt in einer kleinen Hütte auf dem Grundstück ihrer Eltern, in der es nicht viel mehr gibt als ein Bett und einen Koffer, in dem sie ihre Kleidung verwahrt. Im Schein ihrer einzigen Kerze huschen abends Kakerlaken über die Bretterwände, feucht und kalt zieht es durch die Ritzen. Strahlend zeigt sie mir eine Kokosnuß, die ihr heute morgen direkt vor die Füße gefallen ist. Ihre Schwestern sind mit Ausländern verheiratet und haben die Insel verlassen. Mit ihren Brüdern gehe ich angeln in der Brandung. Geschickt bewegen sie sich in ihren zerfledderten Turnschuhen über die scharfen Kanten der Lava und weichen der Gischt aus, die meterhoch über uns hinwegspritzt. Sie haben Angelschnur auf Blechdosen gewickelt, und ködern die knallbunten Fische mit Brötchen. Klatschnass stehe ich da, stolpere über meine neuen Wanderstiefel und spüre nur noch den Wunsch, auch so einen großen, gelben Fisch zu überlisten, ihn an Land zu ziehen, durch einen Biß ins Genick zu töten und zu verspeisen.

Am Abend sitze ich mit Nuas Vater unter der Palme. Wir hören die Südseeklänge von Radio Tahiti und trinken Pisco, während er einen Thunfischkopf auf dem offenen Feuer kocht. Ich esse das weiße Fleisch, er lutscht die Augen aus. Er hat den ganzen Tag im Straßenbau geschuftet. Nach und nach werden die Straßen Hanga Roas gepflastert, trotzdem ist immer noch alles voller rotem Staub. Hanga Roa ist laut. 3500 Menschen leben hier, ein Drittel von ihnen echte Polynesier, der Rest Chilenen, Franzosen, Deutsche und viele andere, und kaum jemand hat einen Auspuff an seinem Moped.

Die Hähne krähen die ganze Nacht, und nach den lästigen kläffenden Kötern wirft man am besten mit kleinen Kieseln. Die meisten Häuser sind aus Eternit, Holz und Wellblech und dementsprechend hellhörig. Aber fast alle haben inzwischen Strom und fließend Wasser. Es gibt eine Bank, eine Post, ein Rathaus und ein Hospital. Viele Geschäfte verkaufen Souvenirs, und in einigen bekommt man auch Lebensmittel, die es nicht auf dem kleinen Markt gibt. Obst, Konserven, Süßigkeiten – das Flugzeug bringt zweimal die Woche alles, was das Herz begehrt.

Zwei Mal im Jahr kommt ein Versorgungsschiff, das die kleinen Suzuki-Jeeps und Honda-Geländemaschinen liefert, auf denen dann ganze Familien zum Einkaufen in den Ort fahren können. Die Kinder spielen mit toten Vögeln, manchmal huscht eine Ratte über die Mauer. Viele Menschen sind arm. Aber sie kennen es nicht anders und kommen mit wenig aus.

 

Viele Alltagsgegenstände wie Hüte, Schuhe oder Messer sind teuer und schwer zu beschaffen. Die meisten leben wohl auf die eine oder andere Art vom Tourismus, vermieten Zimmer und Autos, schnitzen kleine Moai als Souvenir oder arbeiten als Fremdenführer. Viele bekamen kurzfristig einen Job, als Kevin Costner hier seinen Film Rapa Nui drehte. Aber niemand mag den Film, in dem neuseeländische Maori die Hauptrollen spielten. Wieder einmal waren die Osterinsulaner nur Statisten. Und so sitzen die tätowierten jungen Männer abends nach wie vor bekifft vor den Läden und hören alte Discomusik aus staubigen Ghettoblastern. This is the rhythm of the night.

Bei Nacht ertrinkt die Insel im Meer funkelnder Sterne. Geronimo spielt Rapa-Nui-Lieder auf der Gitarre, Nua liegt in meinen Armen, die Satelliten ziehen majestätisch ihre Bahn. Wie ein altes polynesisches Schiff gleitet der Mond über die spiegelnde Oberfläche des Stillen Ozeans. Ich habe nicht genug Wünsche für all die Sternschnuppen. Ein gewaltiger Moai steht schwarz und schweigend in unserem Rücken. Auf den Hügeln brennen Feuer, ferne, finstere, faszinierende Ahnungen beschwörend. "Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?" (Gauguin) Die Moai kamen aus den Tiefen der Erde. Aus der erkalteten Glut des Rano Raraku wurden sie geschlagen und erhielten ihre menschliche Gestalt. Man richtete sie auf, und dort standen sie nun und wandten sich mal dem Kratersee, mal dem fernen Meer zu.

Viele machten sich auf den Weg, den camino de los moai, und manche blieben dabei auf der Strecke. Gefallen, gestürzt und zerbrochen liegen sie da, die Gesichter in den harten Boden gebohrt. Der Weg war schwierig, und oft mussten sie wieder aufgerichtet werden, bevor sie ihr Ziel an der Küste erreichten. Hier lernten sie endlich sehen, man meißelte tiefe Augenhöhlen in ihre steinernen Schädel und setzte ihnen die funkelnden Augen aus weißen Korallen und roter Lava ein. Sie wurden geschmückt und verziert, sie bekamen große rote Haarknoten, und die Menschen verehrten sie und tanzten vor ihnen.

Zum Schlafen kriechen wir in eine Höhle, deren Eingang an eine Vulva erinnert. Fruchtbarkeitssymbole hatten früher eine große Bedeutung für die Inselkultur. Viele Kunstgegenstände wurden mit Vulven verziert; unter dem Druck der Kirche verlegte man sich aber später mehr auf die Marienverehrung. An vielen Orten sind Madonnen in dunkelroten, kleine Höhlen bildenden Schreinen aufgestellt worden, vor denen man häufig Einheimische sitzen sieht. Manche Schreine sind oben mit einem Kreuz aus Knochen verziert. Man hat sich arrangiert.

Sonntags wird die Kirche gut besucht, alle machen sich fein, singen aus vollen Kehlen und geben sich zum Abschluss die Hände. Die lateinische Liturgie wird getragen von Liedern in Rapa Nui, die Christusfigur ist übersät mit Vogelmännern – und ist nicht die Oblate beim Abendmahl auch so eine Reminiszenz an kannibalistische Gelüste? Wie dem auch sei, heute hilft die Kirche den Menschen, ihre Identität wiederzufinden. Nicht umsonst stehen die Protestplakate gegen die Landverteilung direkt auf dem Kirchhof zwischen Kruzifix und Madonna. Als Vorlage für die meisten modernen Schnitzarbeiten dient – Ironie der Geschichte – ein Katalog mit Fotos all der geraubten und gekauften Kunstwerke, die 1989 in Frankfurt in einer umfassenden Ausstellung zur Kultur der Osterinsel gezeigt wurden.

 

Benedicto Tuki Tepano ist einer der besten Schnitzer der Insel, und Arbeiten von ihm stehen in der Kirche und sind auch sonst sehr begehrt. Er freut sich, dass ich ihn fotografieren möchte, und erzählt mir lange von seinem eigentlichen Beruf als Fischer, von den Nächten auf See, von kleinen Tricks und großen Fischen, die er am liebsten roh isst, weil er zum Kochen keine Lust hat.

Ich kaufe ihm einen Moai Kavakava ab, eine klassische Figur, die Dämonen vertreiben soll – und würde damit gerne auch etwas von seiner klaren, menschlichen Kraft und Zähigkeit erwerben, mit der er hier sein einfaches Leben führt. Die Sonne ist untergegangen, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Ich streife in der Finsternis durch das Dorf. Irgendwann stehe ich auf dem Rollfeld des Flughafens, und plötzlich gehen all die bunten Lichter an. Es ist absurd schön, wie UFOs, ein Regenbogen und der Stern von Bethlehem auf einmal. Ich stehe inmitten dieser Flut aus farbigem Licht und entdecke das Flugzeug. Durch den nassen Nebel fliegt es direkt auf mich zu, sein Bugscheinwerfer spiegelt sich im Meer. Ich trete ein Stück zur Seite, und es landet neben mir, erstaunlich leise, wie ein rätselhafter Bote aus einer anderen Welt.

Niemand wandelt ungestraft unter Palmen, hat Goethe einmal gesagt. Heimweh ist der Preis, den ich zahlen muss für diese Reise. So kaputt hier vieles ist, so schön ist es auch. Die Osterinsel ist wie ein großes Freilichtmuseum zum Studium von Natur und Kultur, von Traum und Wirklichkeit, von Depression und Schönheit. Mit jeder Speerspitze sammle ich etwas auf von der Einheit dieser Gegensätze. Nua sagt, dass sie sich bald ein richtiges Haus bauen will. Und doch steht sie oft auf dem Hügel neben dem Friedhof und sieht den Flugzeugen zu; manchmal geht sie auch zum Flughafen, voller Neugier, wer da wohl vom Himmel gefallen ist. Vielleicht kommt ja eines Tages jemand, der sie mitnimmt auf eine Reise zum anderen Ende der Welt.

"Planet Osterinsel - Bilder einer Reise ans andere Ende der Welt". Edition Octopus, Münster, 2005.

Quelle: © 1994 Johannes Groht, http://www.ur-bild.de

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Eine Weihnachtswoche auf der Osterinsel

Weltenbummler Maike Gardner und Klaus Winterling berichten (Juni 2009)

Weihnachten 2008 auf dem Flughafen in Santiago

Als Weihnachtsdekoration finden wir die künstlichen Tannenbäume, die bunten Blinklämpchen und den Plastikschnee auf den Zweigen doch sehr kitschig. Trotzdem hat uns was gefehlt, als wir in der völlig kahlen Abflughalle des Flughafens Santiago de Chile am Heiligabend 2008 nachmittags auf unseren Aufruf für den Flug zur Osterinsel warteten. Auch im Flugzeug keine Spur von Weihnachten: Plastikessen auf Plastikgeschirr mit Plastikbesteck. Aber der chilenische Wein ist ja gut trinkbar. Unsere Weihnachtsgeschenke arrangieren wir auf den Tischchen vor uns (ohne Kerzen – darf man eigentlich Kerzen im Flugzeug anzünden, auch wenn die Flugbegleiter immer nur von Handys und Laptops reden? Wohl eher nicht).

Heiligabend Landung auf der Osterinsel

Wir landen in Hanga Roa, dem einzigen Dorf auf der Osterinsel, sind nach 15 Minuten durch die Passkontrolle und haben unser Gepäck. In der Ankunftshalle erwarten uns die Gästehausbesitzer oder deren Schlepper. Sie halten uns Fotoalben mit Bildern ihrer Unterkünfte unter die Nase. Trotz Hochsaison sind nur wenige Touristen unterwegs. Die Wirtschaftskrise hinterlässt erste Spuren. In Maßen können wir handeln (freie Taxifahrt zur Unterkunft, Rabatt nach drei Nächten...). Die nächsten sieben Tage wohnen wir in unserem Zelt im Garten von Elvira Hucke. Ihre Mutter war mal mit einem Deutschen verheiratet, daher der Name. Sie führt eine kleine Pension mit einfachen Zimmern und einem kleinen Campingplatz direkt am Meer. Als wir ankommen, ist es bereits dunkel.

Weihnachtsessen mit den neuen Gästen

Die letzten Vorbereitungen für das Weihnachtsessen sind in vollem Gange. Reis- und Nudelsalat werden aufgetragen, Fleisch gegrillt, Brot geschnitten, Bier- und Weinflaschen geknackt, im Hintergrund dröhnt Rap aus einem Ghettoblaster. Ein mickriges Tannenbäumchen deutet vage auf den Anlass der Party hin. Alle Gäste der Pension und die ausgedehnte Familie unserer Gastgeber essen zusammen. Auch wir werden herzlich aufgenommen und sofort mit eingeladen. Weihnachten in Shorts und T-Shirt bei 25 Grad unter Vollmond am Meer – mit Grausen denken wir an das Schmuddelwetter und die Heizkosten in Deutschland und fühlen uns gleich sehr wohl. Wir kommen ins Gespräch mit den anderen. Mark aus Neuseeland hat vor einem Monat eine Einheimische geheiratet, die er erst kurz zuvor in seiner Heimat kennen gelernt hat. Wir können das verstehen, sie ist außergewöhnlich hübsch und sehr nett. Sie war schon mal verheiratet mit einem Einheimischen, der wiederum sechs Kinder mit sechs verschiedenen Frauen auf der Insel hat und mit am Tisch sitzt. Auch mit einem Franzosen, Cedric, kommen wir ins Gespräch. Er ist von Tahiti eingewandert, geht jeden Tag surfen und führt manchmal Touristen über die Insel.

Südsee und Politik

So sind wir sofort über die wichtigsten Aktivitäten der Inselbewohner informiert. Die allgemeine Lethargie, die man überall in der Südsee findet, ist auch hier deutlich zu spüren. Warum arbeiten, wenn die Sonne scheint und der liebe Gott und der Staat einen mit allem versorgt? Trotzdem – es gibt eine Unabhängigkeitsbewegung auf der Osterinsel, die sich gegen die Überfremdung vom chilenischen Festland und die Dominanz der spanischen Sprache wehrt. Eine Baracke wird großzügig Parlament genannt und handgeschriebene Plakate davor prangern die Unterdrückung durch den chilenischen Staat an und fordern die Aufnahme in die Vereinten Nationen. Wir haben Infobroschüren und Flugblätter zu dem Thema gelesen und den Eindruck gewonnen, dass die Unabhängigkeitsbewegung eher eine folkloristische Veranstaltung ist (wie etwa die Freiheitsbewegung in Südtirol) und von den schlauen Insulanern als Druckmittel benutzt wird, um weitere finanzielle Zugeständnisse bei der Regierung in Santiago herauszuholen.

 

 

Kirchgang gehört auch hier zu Weihnachten

Zu Weihnachen gehört selbstverständlich auch der Gang zur Kirche. Die einzige kleine Kirche ist voll, aber nicht überfüllt. Vielleicht 200 Personen nehmen am Gottesdienst teil. Trotzdem regeln mehrere Polizisten den Verkehr, kanalisieren die Besucher und passen auf, dass nichts passiert. Wo wenige Menschen leben, ist eine Ansammlung von 200 Personen schon viel und vielleicht sogar potenziell gefährlich. Sonst scheint die Polizei nicht viel zu tun zu haben. Die Osterinsel ist völlig sicher, Diebstähle oder Schlimmeres fast unbekannt. Die Kirchgänger sind fröhlich und bunt angezogen. Keine besondere Bekleidung, keine „typische“ Tracht, aber man sieht, dass sie die besseren Sachen aus dem Schrank genommen haben. Manche Männer haben sogar Schlips und Jackett an. Im katholischen Gottesdienst selbst geht es locker und ungezwungen zu. Nicht klassische Kirchenlieder hören wir, sondern dynamische Songs mit Südsee-Flair. Es existiert keine Orgel, sondern eine Band mit Gitarren- und Mundharmonikaspielern sitzt mitten im Publikum und gibt den Takt an. Besonders ein Mundharmonikaspieler, der offensichtlich an einem Down-Syndrom leidet, spielt virtuos und geht völlig in der Musik auf. Der Gottesdienst dauert nicht lange. Die Menschen wollen zur Familie oder zum Surfen. Am Ausgang werden für die Touristen CD´s mit der Kirchenmusik, eingespielt von der Hauskapelle, verkauft.

Die Moais lockten auch uns an

Aber wir sind natürlich nicht zum Kirchgang hier, sondern wegen der Moai, der unglaublich eindrucksvollen Statuen, die wohl jeder Globetrotter zumindest auf Bildern schon einmal gesehen hat. Wir hatten sehr hohe Erwartungen (oft eine gute Voraussetzung, um dann enttäuscht zu werden), aber die alte Kultur und die Sehenswürdigkeiten der Osterinsel rechtfertigen jede noch so lange Anreise. Wir haben schon viele spektakuläre Orte besucht. Die Pyramiden, das Taj Mahal, Ankor, Tikal, Machu Picchu, Leptis Magna in Libyen, Palmyra in Syrien, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Osterinsel kann mit allen konkurrieren. Sie gehören definitiv zu unseren „Top Five“. Fast alle Menschen sind freundlich zu uns. Nur unsere Gastgeberin, Elvira Hucke, ist eine Zicke. Sie kontrolliert, ob wir in der Gemeinschaftsküche unser Geschirr ordentlich genug gespült haben, hortet ihr Privatsalz und ihren Zucker wie einen Goldschatz, grüßt nie und läuft den ganzen Tag mit einer sauertöpfigen Miene durch die Gegend. Zu Beginn meinten wir, etwas falsch gemacht zu haben, aber die anderen Gäste werden genau so behandelt. Also beschließen wir gemeinsam, dass wir nett sind und Elvira schlecht drauf ist. Die Woche auf der Insel konnte sie uns jedenfalls nicht vermiesen. Auch die, bis auf das Weihnachtsessen, schlechte Verpflegung konnten wir gut ertragen. Restaurants sind deutlich teurer als in Deutschland, und nicht so gut. Frisches Fleisch, Obst, Gemüse oder Salat gibt es kaum (auch das wird importiert und hat eine mehrtägige Schiffsreise hinter sich). Uns blieben Spagetti, Corned Beef, Dosenfisch –Essen für Rucksacktouristen eben. Die Osterinsel ist eine gute Gelegenheit, ein paar Pfund abzuspecken. Wir haben die Woche auf der Osterinsel immens genossen. Dann allerdings wurde es doch etwas langweilig. Immer nur Statuen und Sonnenuntergänge angucken, kann auf Dauer ganz schön anöden. Immer nur Spagetti essen macht doch immer weniger Spaß. Und der Rotwein war viel zu teuer. Wir freuten uns also auf unser nächstes Etappenziel, Tahiti. Zu Fuß laufen wir zum Flughafen. Aber als das Flugzeug abhebt, wollen wir am liebsten die Notbremse ziehen und wieder aussteigen.

Maike Gardner und Klaus Winterling

Kurzvitae

Maike, Jahrgang 1941, und Klaus, Jahrgang 1950, sind schon immer gerne gereist. Maike hat in Südafrika, -Schottland und England gearbeitet, ehe sie in München sesshaft wurde. Klaus hatte früh die Nase voll vom gemeinsamen Familienurlaub und war einer der ersten, der mehrfach auf der klassischen Tramperroute Puddingshop (Istanbul) - Hotel Amir Kabir (Teheran) - Chicken Street (Kabul) - Freak Street (Katmandu) hin und her gefahren ist. Vor 13 Jahren haben Beide ihre stressigen, aber ertragreichen Bürojobs als Sekretärin im Personalwesen bzw. Unternehmensberater aufgegeben, Blazer und Anzug zur Kleidersammlung getan, Aktenkoffer gegen Rucksack getauscht, sich entschlossen, statt in teuren Hotels in Hostels oder Billigpensionen zu wohnen und einfach Zeit zu haben. Nach etwa 140 Ländern sind sie immer noch neugierig, was hinter dem nächsten Berg oder dem nächsten Ozean zu entdecken ist. Die nächsten Trips sind schon geplant....

Vorveröffentlichung aus der Globetrotter-Zeitung "Der Trotter" in Herbst 2009

10. Mai 2009

Liselotte Bühler berichtet von einer Osterinselreise im Jahr 1973

Neujahr 2007/2008 in Venedig

 
Ich beginne mit dem Ereignis, das dazu geführt hat, dass ich überhaupt auf die Osterinsel kam, es liegt genau 20 Jahre früher, nämlich im Sommer 1953. Da war ich mit einer englischen Freundin auf einer Radtour durch Deutschland. Als wir in Garmisch-Partenkirchen in der Jugendherberge aufkreuzten, wollte man uns abweisen, weil ein Bus mit Schülerinnen einer höheren Schule auf der Rückreise von Italien eingetroffen war. Wir protestierten und das tat auch eine französische Lehrerin, die per Zug und Anhalter unterwegs war. Wir kamen zwar nur in einer Scheune unter, aber aus dieser Begegnung wurde eine lebenslange Freundschaft. Christine fragte jedes Jahr, ob ich mich an ihrer jeweiligen Reise beteiligen wolle und ich musste immer verneinen, zunächst aus finanziellen Gründen, später, nach Geburt meines Sohnes, auch aus Zeitgründen. Als Christine mich 1973 erneut fragte, wir wohnten seit 1969 in Fontainebleau, wollte ich zunächst auch nein sagen, denn was sollte ich auf der Osterinsel und in der Atacamawüste, wenn ich noch nicht einmal in Rom war? Es war mein Sohn, der mir zuredete, mitzufliegen, er verbrachte jenen Sommer in einer Sprachenschule in England, so dass er keine Ferien mit mir versäumte. Er sagte: Auf die Osterinsel wirst Du sonst nie in Deinem Leben kommen.
Wir flogen zu Fünft,vier französische Lehrerinnen und ich, von Luxemburg nach Miami und die Bahamas und von dort nach Lima, wo Christine im Vorjahr das Goldmuseum wegen Renovierung nicht besichtigen konnte. Ich hatte geplant, auf der Rückreise Cuzco und Machu Picchu zu besichtigen, was dann wegen des längeren Aufenthalts auf der Osterinsel nicht möglich war, während die Vier nach Ecuador weiterfliegen wollten. In Santiago verbrachten wir eine Nacht im El Conquistador auf Kosten der Lan Chile, da wir erst am nächsten Tag zur Osterinsel fliegen konnten. Am Flughafen der Osterinsel empfing uns Rosita, die den chilenischen Lehrer Jorge mitgebracht hatte, der Englisch verstand. Wir wurden natürlich mit Blumengirlanden empfangen, wie das in Polynesien üblich ist. Dass wir bei Rosita in ihrem Tourist Guest House „Rapa Nui“ wohnten, ergab sich aus den Kontakten, die Lehrer anscheinend damals häufig mit Kollegen im Ausland aufnahmen. In diesem Fall mit dem „director“ Jacobo Hey, der uns die Unterkunft bei seiner Kusine besorgte.
 

Liselotte Bühler 1973 vor der Rückseite von Rositas Pension

Abschied im Morgengrauen, neben Nico der chilenische Lehrer Jorge

 
Gleich in den ersten Stunden erfuhren wir, dass das Flugzeug, das uns auf dem Rückflug von Tahiti wieder aufnehmen sollte, nicht landen kann, da die Piste repariert werden musste. Es kursierten die wildesten Gerüchte, einige sprachen von Wochen und Monaten. Wir suchten noch am Abend den „gobernador“ auf, der aber nicht anwesend war. Wir waren natürlich geschockt. Außer uns war nur ein Ehepaar aus Chile davon betroffen, die im einzigen Hotel wohnten. Am nächsten Morgen begaben wir uns zum Büro der Lan Chile, wir wollten vor allem, dass sie sich um unsere gebuchten Flüge auf dem Festland kümmerten und uns eine Bescheinigung über den unfreiwillig längeren Aufenthalt in Chile ausstellten, denn damals musste man pro Tag, ich glaube, 10 Dollar umtauschen, die wir natürlich nie benötigten und dieser Zwangsumtausch hätte auch unser Budget belastet. Dann kam auch der Gouverneur zu Rosita, der uns versprach zu helfen. Fermina, die chilenische Lehrerin, die sehr an unseren Dollar interessiert war, brachte uns Orangen, was eine Rarität auf der Insel war.
Leider habe ich überhaupt keine Erinnerung mehr an das, was wir zu Essen bekamen. Och weiß nur, dass es einmal Langusten gab, was wohl damals schon nicht selbstverständlich war wegen des Preises für uns. Dass wir es genossen, zeigen noch heute die Fotos, die bei unserem Mahl gemacht wurden. Am folgenden Tag begannen wir endlich mit der Besichtigung der Insel. Rosita begleitete uns zu den sieben Moais, ihr Bruder fuhr uns mit seinem Wagen. Wir besichtigten auch Höhlen und man zeigte uns Anpflanzungen von Bananenstauden und Taro in Vertiefungen, um sie vor dem Wind zu schützen. In meinen spärlichen, und bald abgebrochenen Aufzeichnungen steht: Picknick in der Nähe einer Grotte mit Petroglyphen (Fisch). Auf dem Rückweg wurden wir vom Regen überrascht. Geregnet hat es öfter, das ist wohl so um diese Jahreszeit. Am nächsten Tag ging es dann zum Ahu Vinapu. Immer noch Aufzeichnung: Maria schenkt mir eine Kette (kleine Muscheln und Fruchtkerne), zum Kaffee bei Fermina eingeladen, wir begeben uns zur Lan Chile bei heftigem Wind, mussten dort lange warten, es war immer noch nicht klar, wann die nächste Maschine landen würde. Am ersten Sonntagmorgen weckte uns Rosita, damit wir zur „misa“ gehen können. Es regnete und war kalt, so dass wir vorzogen, es uns zu Hause gemütlich zu machen. Hier enden meine Notizen. Rosita und Nico begleiteten uns mehrere Male auf unseren Wanderungen.
 

Nico und Jeannette am Rano Raraku

 
Auch der Gouverneur begleitete uns, als wir einen der Krater besichtigen wollten. Am 14.Juli lud er uns zum Mittagessen ins Hotel ein und spendierte chilenischen Sekt. Er sprach ein ausgezeichnetes Französisch, das war damals in der chilenischen Oberschicht verbreiterter als Englisch. Auf der Rückkehr vom Krater ließ er mich ans Steuer seines Landrovers, auf dem Foto sieht er eher wie ein Kleinlaster aus, denn er wollte uns den Wagen für die Erkundung der Insel zur Verfügung stellen. Er stellte mir sogar einen Führerschein hierfür aus, den ich leider nicht mehr finden konnte. Ich glaube nicht, dass wir den je benötigt hätten, an einen Polizisten kann ich mich nicht erinnern. Wir machten nur einmal davon Gebrauch, als wir noch einmal zu der idyllischen Bucht Anakena zum Baden fahren wollten. Mit Rosita und mehreren Freunden und Angehörigen waren wir einmal dort zum Baden und Picknicken. Jacobo, der Direktor der Schule, veranstaltete auch für uns eine Gesangs- und Tanzveranstaltung der Schulkinder. Ich habe davon noch eine Kassette, da sie schon einmal bespielt war, ist die Qualität nicht gut, wir haben auch Rosita, Jorge und Jacobo aufgenommen, die uns zum Abschied einige Worte in Pascuan und Spanisch sprachen und sangen.
Sie veranstalteten auch zu unserem Abschied ein kleines Fest, wobei das Fleisch und die Fische in einer Grube gebraten wurden. Jetzt bin ich schon beim Abschied, dabei fallen mir natürlich noch einige Erlebnisse ein, der Besuch des Kraters Rano Raraku, die Felszeichnungen dort, der Blick auf die kleine Insel Motu-Nui. Besonders beeindruckt waren wir, als wir an der Südküste Rast machten, ich glaube in der Nähe der „Pipa de Motua Hatua“, wo das Meerwasser durch eine Felsöffnung hervorschießt. Es war uns bewusst, welche Weite vor uns lag und vor allem war das Meer hier am beeindruckendsten. Wenn ich jetzt zurückdenke, wird mir erst klar, dass uns das gar nicht so recht bewusst war, dass wir die einzigen Touristen auf der Insel waren und wer war schon damals 16 Tage auf der Osterinsel? Denn statt 4 Tagen, blieben wir 16 Tage und das war ein Glücksfall.
 

Rosita, Christine, Madeleine und Tostias Vetter

Picknick mit Rosita und Verwandten

 
Leider wurde die Erinnerung getrübt, als wir nach unserer Rückkehr vom Sturz Allendes erfuhren und lange Zeit nichts erfahren konnten. Ein Jahr später reiste Christine wieder nach Südamerika und erfuhr von einem Steward, dass der Gouverneur in Handschellen nach Santiago abtransportiert worden war, er war ein Freund Allendes. Das stimmte uns alle sehr traurig. Als mir am Flughafen die Tränen kamen, tröstete mich Jeannette, mit mir die einzige noch Lebende. “Wir fliegen nächstes Jahr nach Tahiti und dann machen wir einen Zwischenstopp auf der Osterinsel.“ Ich denke mir, dass wir alles gesehen haben, was damals bekannt war, die Steinhäuser, die Steinfundamente in Form eines Bootes, die piedra cornetta. Ich las auch in meinen Notizen von zerstörten Ahus, ob das die von einem Tsunami zerstörten waren, die 1993 wieder aufgerichtet wurden? Durch den langen Aufenthalt auf der Osterinsel bekamen wir Probleme auf dem Festland. Inzwischen waren Sommerferien und die Lehrer reisen auch in Chile viel und gern.
In Antofagosta bekamen wir keinen Bus nach Chuquicamata, wo wir die Kupferminen besuchen wollten. Damals gab es schon Unruhen und zuerst wollte man uns die Besichtigung verweigern, die wir beantragt hatten. Dann hatten wir Schwierigkeiten nach San Pedro zu kommen, wo wir den belgischen Pater LePaige besuchten und sein kurioses Museum, er hatte zahllose Indio-Mumien dort ausgestellt. Beim Durchblättern eines der Bücher über die Osterinsel, die meisten in Französisch, sah ich eine Abbildung einer Pfeilspitze, sie sieht genauso aus, wie die, die ich an einem Krater aufgelesen habe. Nico sagte uns damals zwar, dass es Speerspitzen seien, die man wegen fehlerhafter Bearbeitung weggeworfen habe, ich war mir nie sicher, ob die nicht von Natur aus diese Form haben. Es handelt sich um Obsidian. Von Jacoco habe ich noch eine Art Aschenbecher aus grauem Tuffstein in Gesichtsform und jemand schenkte mir auch ein Kreuz aus diesem Gestein. Außerdem besitze ich noch ein Stückchen von dem roten Tuffstein. In Hawaii ist es streng verboten, Steine aufzulesen und mitzunehmen.
 

Fermina, chilenische Lehrerin, Lieselotte Bühler, Maria, Nico und Rosita

Maria - Rositas Nichte

 

Rosita, Liselotte Bühler, Madeleine, Jeannette und Christine

Liselotte Bühler ist Jahrgang 1930 und wurde in Speyer/Pfalz geboren. Sie war als Übersetzerin tätig, es war kein Traumberuf für sie, aber als sie 1949 das Abitur machte, war ihr Vater schon ein Jahr verstorben und die Währungsreform traf die Familie besonders hart. 1991 ging Liselotte Bühler vorzeitig in Rente, weil sie damals nach Indien übersiedeln wollte. Nach den ersten sechs Monaten dort, wurde ihr aber klar, dass das doch nicht so ideal war und sie begnügte sich, einmal im Jahr für fünf oder sechs Wochen in Rajasthan und Kerala zu verbringen. Ihr Sohn lebt in Paris, wo er bei einer großen amerikanischen Rechtsanwaltskanzlei arbeitet. Sie erinnert sich noch heute gern an die Reise zur Osterinsel im Jahr 1973.

Weitere Bilder von Liselotte Bühler,

die Landschaft und Dorf 1973 zeigen. Die vielen jungen Leute sind heute 36 Jahre älter - wer erkennt sich noch?

 
 
 
 
 
 
 
 

Copyright für alle Bilder bei Liselotte Bühler

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14.7.07

Osterinsel: Das abgelegene Eiland ist voller Überraschungen

Wiedersehen mit den steinernen Riesen

 Ostern 1722 wurde die Insel "entdeckt", daher ihr Name. Mysteriös blieb bis heute, warum dort 900 Moai-Figuren entstanden - und wer sie später vom Sockel stürzte.

Von Gottfried Weller

Carlos strahlt mich an - noch immer ungläubig, dass wir uns eben, nach 18 Jahren, auf der Osterinsel wieder getroffen haben. Wir sollten eine Insel-Rundfahrt machen wie in alten Zeiten, schlägt er vor. Damals, in den 70er- und 80er-Jahren, besuchte ich fünfmal dieses mysteriöse Pazifik-Eiland, das die allermeisten nur aus dem Lexikon "kennen". Und Carlos war oft mein Begleiter bei den Ausflügen auf seinem heimatlichen Terrain; er zeigte mir die interessantesten Gegenden, erklärte die Geschichte und Kultur. "Du wirst sehen, es hat sich viel verändert hier, aber die Moais sind alle noch da", meint er nun lachend.
Moais werden die mehr als 900 geheimnisvollen Statuen genannt, die seit Jahrhunderten das Gesicht der Osterinsel prägen. Die ungelösten Rätsel um die steinernen Riesen - die meisten sind zwischen drei und sechs Meter groß - beschäftigen die Gehirne von Wissenschaftlern und die Fantasie von Touristen. Warum wurden die legendären Kolosse geschaffen? Wie ist es gelungen, sie kilometerweit zu transportieren und dann auf Steinplattformen (Ahus) aufzurichten? Welche Ursache gab es für den plötzlichen Stopp der Moai-Produktion, und wieso hat man die Giganten später umgestürzt? Fragen, die noch immer nicht schlüssig beantwortet werden können.
Die Osterinsel ist vulkanischen Ursprungs, knapp 164 Quadratkilometer groß und hat die Form eines Dreiecks. Erloschene Vulkane (höchste Erhebung: 507 Meter) markieren die grasbewachsene, hügelige Landschaft, die nur wenige bewaldete Gebiete aufweist. Ein vor den Wellen schützendes Korallenriff gibt es nicht, sodass die volle Wucht der Meeresbrandung auf das schroffe, schwarze Lavagestein der Küsten trifft. "Entdeckt" wurde die Insel zu Ostern 1722 von dem holländischen Seefahrer Jacob Roggeveen. Er gab ihr deshalb den Namen Osterinsel. Sie war von Polynesiern bewohnt. Nach einer dramatischen Geschichte gehört sie seit 1888 zu Chile. In den endlosen Weiten des Südpazifik gelegen, wird sie gern als einsamste Insel der Welt bezeichnet. Das chilenische Festland (mit dem nächsten Flugplatz) liegt 3765 Kilometer weiter östlich, die Insel Tahiti (Französisch-Polynesien) ist 4239 Kilometer westlich zu finden. Wer zur Osterinsel fliegen will, muss eine Boeing 767 der LAN Chile in der Haupstadt Santiago oder in Papeete (Tahiti) besteigen. Die Airline besitzt das Monopol auf diesen Strecken.
Rapa Nui (Entferntes Land) heißt die Insel bei ihren Bewohnern, auch Te Pito o te Henua (Nabel der Welt). Auf Spanisch, das ist hier die offizielle Sprache, sagt man Isla de Pascua, im Englischen Easter Island. Rapa Nui heißt auch die Sprache der Einheimischen, ein polynesischer Dialekt. Er ist Pflichtfach in den Schulen. Englisch sprechen nur wenige.

Hanga Roa ist die einzige Siedlung. Schon beim ersten Spaziergang durch den hübschen kleinen Ort an der Westküste fallen mir einige der Veränderungen auf, die Carlos angedeutet hat: die zahlreichen Autos - mehr als 1000 sollen es jetzt sein -, sowie eine Menge Motorräder und Mopeds. Etwa 100 Taxis bieten ihren Service an. Die wichtigsten Straßen sind gepflastert. Früher waren sie unbefestigt und mit rotem Vulkanstaub bedeckt. Neu auch die vielen Läden, Restaurants, Cafés - und Hunde.
Ein Stück Alltag, wie er früher war, sind die Pferde: Über 3000 laufen frei umher. Jedes aber hat einen Besitzer, für den das Tier ein Statussymbol ist. Da jagen wild aussehende junge Männer mit langen Haaren auf ihren Rössern durch die Siedlung, als gäbe es noch keine Fahrzeuge. Kinder und Jugendliche reiten nach der Schule - nun oft mit einem Surfbrett unterm Arm - zur nächsten Küste. Oder Pferde grasen zwischen den Moais. Nahezu alle der rund 5000 Insulaner wohnen in Hanga Roa, aber nur noch etwa die Hälfte von ihnen sind echte Rapa Nui, also Eingeborene polynesischer Abstammung. Sie gelten als freundlich und hilfsbereit, stolz und selbstbewusst, in Traditionen fest verwurzelt, doch auch aufgeschlossen und westlich orientiert. Die Bevölkerungszahl hat sich, besonders durch die Zuwanderung von Festlands-Chilenen, seit 1989 mehr als verdoppelt.

Zu Beginn der Insel-Tour fährt Carlos mit mir von Hanga Roa die Südküste entlang, wo wir zunächst auf etliche der ab Ende des 17. Jahrhunderts gewaltsam umgestürzten Steinkolosse treffen. Sie liegen auf dem Gesicht, ihr zylinderförmiger Pukao (Hut, Haarknoten oder Kopfschmuck?) aus rotem Felsgestein daneben, als wäre es eben erst geschehen. Stammeskriege waren vermutlich die Ursache. Eindrucksvolle Bilder einer untergegangenen Kultur. In den letzten 51 Jahren wurden 43 Moais von Archäologen wieder auf Altare, die heiligen Ahus, gestellt.
Auf einer holprigen Abzweigung der Küstenstraße erreichen wir schließlich den Vulkan Rano Raraku, die ehemalige Moai-Produktionsstätte. Hier wurden etwa im Zeitraum von 900 bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die tonnenschweren Statuen in mühevoller Arbeit aus dem grauen Felsen gehauen, dann zum großen Teil an die Küsten transportiert und dort auf Ahus gestellt, wahrscheinlich zu Ehren verstorbener Häuptlinge und zum Schutz der Bewohner. An den äußeren und inneren Krater-Abhängen des Rano Raraku sind rund 400 Moais zu bewundern. Die meisten stecken bis zur Brust oder zum Hals in der Erde - ursprünglich standen sie in tiefen Gruben, bereit zum Abtransport.

 

Aber im Laufe der Jahrhunderte hat die Natur die Gruben zugeschüttet, so dass bloß noch der Kopf dieser Giganten oder ihre obere Körperhälfte sichtbar ist. Andere blieben auf den Transportwegen liegen. Weil die Moai-Produktion plötzlich abbrach, kann man auch unfertige Statuen sehen, die noch mit dem Felsen verbunden sind, zum Beispiel gibt es am äußeren Abhang so einen Koloss von über 21 Meter Höhe. Auf der Innenseite des Vulkans sind die Moais dem Kratersee zugewandt. "Eine Attraktion kennst du noch nicht, denn sie existiert erst seit elf Jahren", sagt Carlos, als wir den Vulkan verlassen. Es ist der Ahu Tongariki unweit des Rano Raraku, die größte Zeremonialplattform Polynesiens: 15 Moais stehen jetzt auf einem 180 Meter langen Ahu mit dem Rücken zum Meer, ebenso wie die Moais an der Küste. Die Tongariki-Riesen - der höchste misst 8,90 Meter - wurden von 1992 bis 1996 mit technischer Hilfe Japans wieder aufgestellt. Einst waren auch sie von ihrem Ahu gestürzt worden, und im Jahre 1960 hatte ein Tsunami sie dann sogar landeinwärts gespült.An der Nordküste besuchen wir zwei kleine Strände, Anakena und Ovahe Beach, die einzigen der Osterinsel, wenn man die beiden winzigen Strände von Hanga Roa nicht mitzählt. Der schönste ist Anakena mit weißem Sand, einem Kokospalmen-Wäldchen sowie mehreren Moais. Pure Südsee-Romantik.
Rano Kau, der Vulkan an der südlichen Ecke des Insel-Dreiecks, hat zwar keine Moais, ist aber trotzdem ein populäres Ausflugsziel. Oben am rund 300 Meter hohen Kraterrand liegt die Zeremonialstätte Orongo mit ihren Felszeichnungen. Das war der Ort für den Vogelmann-Kult. Es stockt einem der Atem beim Blick zu den drei winzigen vorgelagerten Felseninseln, zur steilen Kraterwand und zum Kratersee.
Deutsch wird auf Easter Island übrigens auch gesprochen, denn zehn Bewohner stammen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Ein neues Zuhause an diesem Ende der Welt fand etwa der Österreicher Nikolaus Kaltenegger. Mit seiner einheimischen Frau leitet er das renommierte Hotel "Gomero". Besonders für seine Kinder sei die Insel ein sicheres Umfeld, schwärmt er: "Es gibt so gut wie keine Kriminalität, die Luft ist sauber."

Der Schweizer Josef W. Schmid, auch mit einer Insulanerin verheiratet, arbeitet als Touren-Führer. In der Schweiz zu wohnen, wäre ihm zu langweilig. "Rapa Nui ist weder auf den zunehmenden Tourismus vorbereitet noch auf die schnellen gesellschaftlichen Veränderungen", meint er sorgenvoll.
Stephanie Pauly aus Köln hatte aus Liebe zu einem Osterinsulaner ihre Existenz als Lehrerin in Deutschland aufgegeben. "Ich fühle mich als Vermittlerin zwischen den Kulturen", sagt sie.
Tourismus ist inzwischen die Haupteinnahmequelle der Osterinsel. Im vorigen Jahr kamen 50 000 Besucher. 1989, als ich mich zuletzt hier umsah, waren es nur 5000 gewesen. Es gibt etwa ein Dutzend Hotels und 25 private Pensionen. Nicht wenige Insulaner sind meisterhafte Holzschnitzer oder Steinmetze, sie fertigen kleine Moais sowie andere Souvenirs an. Ein Höhepunkt des Insellebens ist sonntags der Gottesdienst in der katholischen Kirche. Leidenschaftlich und im gleichförmigen Rhythmus werden die Choräle gesungen. Viele Informationen hält das Museum bereit, unter anderem über Rongo Rongo, die bisher nicht eindeutig entschlüsselte Bilderschrift.
Moais bewachen auch den Bootshafen in Hanga Roa. Ein Spaziergang von dort Richtung Norden führt zu den Statuen von Tahai. Hier steht der einzige "sehende" Steinriese. Vor einigen Jahren wurden dem 4,75 Meter großen Moai Augen aus weißem und rotem Gestein eingesetzt.

Wirtschaftlich geht es der Bevölkerung wesentlich besser als vor 18 Jahren. Doch das Leben ist nicht billig, denn nahezu alle Güter müssen vom chilenischen Festland eingeflogen oder mit dem Schiff herangeschafft werden. Surfen kann man nicht nur auf den Pazifik-Wellen, sondern nun auch in Internet-Cafés oder am eigenen Computer. Es gibt eine Radio- und eine Fernsehstation, via Satellit sind zwei TV-Sender zu empfangen. Eine Insel-Zeitung fehlt weiterhin.
Einmal im Jahr wird es auf der Osterinsel lebhaft: beim traditionellen Tapati-Festival im Februar. Der zweiwöchige kulturelle und sportliche Wettbewerb hat das Ziel, eine neue Königin zu krönen. Sie muss Jungfrau sein und möglichst eine reinrassige Rapa Nui. Ihre Funktion beschränkt sich aber auf das Repräsentieren. Glanzlichter des Festivals sind mitreißende Tanz- und Gesangs-Shows sowie eine bunte Straßenparade, für die fast alle Teilnehmer ihre Körper mit Symbolen der Insel-Mythologie bemalen. Lendenschurz bei Männern und ein Feder- oder Binsenrock bei Frauen sind dann die typischen Kleidungsstücke.
Die Osterinsel ist trotz aller Veränderungen geblieben, was sie von Anfang an war: eine total andere, stille Welt, ein faszinierendes Freilicht-Museum voller Geheimnisse.
Diesmal muss ich Carlos zum Abschied versprechen, nicht erneut 18 Jahre zu warten, bis ich wiederkomme. Was ich gern tue.

Quelle: www.abendblatt.de vom 14.7.07

 


12. Juli 2007

Rapa Nui

Tauchabenteuer zu einem Unterwasser-Moais im Pazifiks

 

Die Existenz einer “allverbreiteten, alldurchdringenden und allbewegenden Materie, welche den Weltraum erfüllt, muss als Gegenstand möglicher Erfahrung postuliert werden” Immanuel Kant

“Äther” ist griechisch und heißt so viel wie “blauer Himmel”. Früher nahm man an, dass ganze Universum sei von einem unsichtbaren Stoff namens Äther erfüllt. Ich glaube, gestern sind wir in ihn eingetaucht. Das Gefühl, im klarsten Wasser der Welt zu tauchen, können vermutlich nur Fallschirmspringer nachvollziehen. Die aber fallen eigentlich zu schnell. Wir haben uns deshalb wie Fallschirmspringer im Äther gefühlt, als wir bei unglaublichen Sichtweiten von 50 Metern in das pazifische Blau um die Osterinsel abgetaucht sind.
Oder so wie Kosmonauten in der Schwerelosigkeit. Wir ließen uns aus dem Boot fallen und glitten langsam fast 40 Meter in die transparente Tiefe hinab. 40 Meter weiter unten schien irgendwo dunkel der Grund durch, sonst fehlte jeder Bezug, jede Orientierung. Mehrere Meter über mir sah ich Isona schweben, unwirklich, surreal, wie eine Astronautin im blauen Äther eines Weltalls vor Einstein, das noch Raum für Phantasie ließ. Ganz weit oben glitzerte die Sonne durchs klare Wasser, und dort schienen sich auch Wolken zu bilden, schwollen an und zerfielen in Sekundenschnelle, es war die Brandung, von unten betrachtet.
Bei perfektem Wetter waren wir zu den Motus hinausgefahren, diesen zwei mythischen Felseninseln zwei Kilometer vor der Steilküste des Vulkanes Rano Kao. Also genau der Stelle, an der die Rapa Nui bis 1866 ihren Vogelmann ermittelten. Was für ein Ort für einen Tauchgang! An der 80 Meter tiefen Steilwand erspähen wir scharfzähnige Moränen, grellgelbe Trompetenfische und den Igelfisch, der sich mit Wasser aufbläst, wenn man ihm zu nahe kommt. Zugegeben, die überfischte Unterwasserwelt der Osterinsel ist nicht der spektakulärste Ort für Meeresfauna, doch die unwahrscheinliche Transparenz des Äthers und die fantastischen Unterwasserlandschaften entschädigen dafür vielfach. Außerdem gibt es unter Wasser ja auch noch eine andere Kuriosität zu sehen: Den versunkenen Moai.

 

So besessen ist die Osterinsel von den steinernen Riesen, dass der Tauchlehrer Mike Rapu im Eingedenk an seinen Vater eigens einen Moai erstellen ließ, um ihn auf dem Boden des Meeres zu versenken. Ahnenkult oder geschicktes Marketing?
Rapu ist beides zuzutrauen. Immerhin ist der dem gesellige Rapa Nui der Neffe eines hiesigen Freiheitskämpfers, erfolgreicher First-Class-Hotelier und ehemaliger Tieftauch-Champion von Südamerika (74 Meter, ohne Geräte versteht sich).


Damit ähnelt der Tauchmeister einer anderen Unterwasser-Attraktion der Osterinsel - den Riesen-Schildkröten. Sie galten den Rapa Nui schon immer als heilig. Weil sie zwar weit ins Meer hinaus schwimmen, zum Eier legen aber Land brauchen, zeigten sie schon den Maori-Siedlern den Weg durch die Weite des Pazifiks den gesuchten Inseln. Auf einen Moai am Vulkan Rano Rarako ist ein europäisches Schiff eingemeißelt, gezogen wird es von der Schildkröte, die den Fremden den Weg nach Rapa Nui gezeigt hatte. Heute braucht man nicht mehr so weit raus aufs Meer zu fahren, um nach Panzerechsen zu tauchen: Jeden Nachmittag schwimmen sie im Hafenbecken herum, um die Reste des heutigen Fischfangs aufzuschnappen. Also einfach Schnorchelsachen auspacken und Schildkröten schauen!

Poganatz


Quelle: http://blog.zeit.de/cono-sur/2007/07/07/astronauten-im-ather-des-pazifiks_221

 


Juli 2007

Sonnenuntergang am Hafen von Hanga Roa

 

Hawaii haben wir 2001 besucht, 2002 folgte Neuseeland. Damit fehlte nur noch der dritte Eckpunkt des polynesischen Dreiecks. Die Osterinsel: ebenfalls ein Dreieck, nur viel, viel kleiner. Wann wir sie besuchen konnten, hing von einigen Dingen ab. Von mehreren kleinen Zettelchen, beispielsweise auf denen unsere Lieblings-Urlaubsziele stehen, von der jährlichen Auslosung, von Michaelas Hand, die dabei die Zettel zieht. Drei Jahre lang wurden andere Länder ausgelost. Doch 2006 war es endlich soweit. Auf dem gezogenen Zettel steht: Chile. Klar, dass wir dabei auch die Osterinsel besuchen werden.
Dann sind wir da, am vielleicht einsamsten Flecken auf der ganzen Welt. Wir atmen die samtweiche Luft tief ein und freuen uns auf vier erholsame Tage, die wir auf dieser magischen Insel mitten im Pazifik fernab jeder Zivilisation verbringen werden. Einer unserer ersten Wege führt uns an den kleinen, schmucken Hafen in Hanga Roa. Langsam macht sich die Abenddämmerung breit. Wir setzen uns auf eine Bank und schauen dem verliebten Spiel der Wellen zu. Der sanfte Wind tanzt mit ihnen, streichelt über unser Gesicht und Haar und flüstert uns zu: Willkommen auf Rapa Nui. Die Ruhe ist himmlisch.

 

Genau das, wonach wir uns so sehr gesehnt haben. Es gibt keine bessere Gelegenheit, um abzuschalten. Wir lassen die Seele baumeln. Unser Gehör liebt das Rauschen der Brandung. Unsere Augen glänzen, sobald sich die Blicke in der Spiegelfläche der Unendlichkeit verlieren. Wir genießen die tiefe Ruhe und Erholung, die das Meer bietet, in vollen Zügen. Wie schön es doch singt. Die Sonne sinkt immer tiefer. Es scheint, als würde sie zum allerletzten Mal untergehen und deshalb ihr Allerletztes zu geben. Der Himmel beginnt sich langsam zu verfärben. Die lieblichen Strahlen tauchen ihn in eine flammende Symphonie von Rot und Gelb, färben die Wasseroberfläche golden. Wir können nicht genug von diesem spektakulären Schauspiel kriegen, saugen jede Minute tief in uns auf. Das leise Rauschen des Pazifiks liefert die Begleitmusik dazu. Der Wind spielt immer noch mit den Wellen. Ganz weit hinten, da wo sich Himmel und Wasser zu berühren scheinen, beginnt die Sonne langsam im Meer zu versinken. Doch kaum ist ein Spektakel beendet, nimmt ein anderes seinen Lauf. Es wird dunkel. Kein Wölkchen trübt das Firmament. Langsam kriechen die Sterne hervor. Es werden mehr und mehr - so viele wie wir bisher noch nie gesehen haben. Sie funkeln und glitzern wie Edelsteine. Es scheint, als wollten sie sich gegenseitig überbieten und um die Wette leuchten. Wir können die Blicke nicht von diesem wunderbaren Sternenhimmel wenden. Doch es wird kälter und wir machen uns auf den Weg zurück ins Hotel.
Berauscht von diesem magischen Spektakel schlafen wir schnell ein. In den nächsten Tagen erkunden wir die Insel kreuz und quer. Wir sind überwältigt von den Moais und den vielen Geschichten dazu. Doch die Zeit vergeht leider viel zu schnell. Kurz vor unserer Abreise gehen wir noch einmal zum Hafen. Diesmal ist es Tag. Deshalb schließen wir die Augen und lassen die Bilder von unserem ersten Abend auf der Osterinsel wie in einem Film noch einmal vorbeiziehen. Kein Wunder, dass Abschied nehmen weh tut. Doch wir haben ja so viel im Gepäck, dass ihn wenigstens erleichtert. Schöne Erinnerungen, tolle Erlebnisse und tiefe Empfindungen, die uns keiner nehmen kann. Wir werden noch lange davon zehren. Und natürlich haben wir auch etwas Greifbares mitgenommen: eine Miniflagge und Sand von der Osterinsel. Damit ist sie immer in unserer Nähe, auch wenn uns Tausende von Kilometern trennen.

Helmut Heimann



Juni 2007

Rapa Nui
Osterinsel – Die Wiege der Weltvergessenheit

Rapa Nui, “Großes Ruder“. Heute haben wir das wahre „Ende der Welt“ erreicht. Mögen sich noch so viele Orte in Feuerland so nennen – der entlegenste Ort der Welt ist dieses Eiland mitten im Pazifik.
Selbst im 21. Jahrhundert fühlt sich die Reise so an, als würde man über den Rand der Erdscheibe hinaussegeln. Von Santiago de Chile aus jagt das Flugzeug für 4000 Kilometer der untergehenden Sonne nach. Fünf Stunden lang schwebt es mangels auch nur eines einzigen Referenzpunktes scheinbar bewegungslos im blauen Nichts. Unter uns kräuselt sich die weiteste Leere des Planeten.
Dann ein Fetzen Grün. Dreieckig ist er, mit kahlen, grasigen Hügeln und einigen Kratern übersät, fast waldlos, und offenbar beinahe unbesiedelt. Fast schon mutet es seltsam an, dass hier überhaupt ein Flugzeug landen kann. Tatsächlich gibt es erst seit den 1960er Jahren überhaupt einen Flughafen an diesem weltvergessenen Fleck, einer der letzten Orte, die die seefahrenden Europäer überhaupt auf dieser Erde entdeckten. Erst am Osterfest 1722 wurde die Insel von dem holländischen Kapitän Jakob Roggeveen entdeckt, der auf der Suche nach dem mythischen, nicht existenten Südkontinent war.
Das chilenische Festland ist 3700 Kilometer entfernt, und die nächsten Nachbarn sind die Nachfahren der „Meuterei auf der Bounty“, 2000 Kilometer weit weg, auf der Pitcairn-Insel. Die polynesischen Marquesas, von denen aus die Insel vermutlich mit großen Katamaran-Kanus besiedelt wurde, liegen weit über 4000 Kilometer entfernt im blauen Ozean.
 

Am ersten Tag am Rande der Welt spazieren wir die Südküste entlang zum Ortskern von Hanga Roa, mit knapp 4000 Einwohnern das einzige Dorf der Insel. Neben dem Verwaltungsgebäude der chilenischen Armada, seit 1888 die lokale Besatzungsmacht, stoßen wir auf die „Windrose“. In Form eines Wegweisers zeigt sie vom „Nabel der Welt“, wie die Bewohner ihre Insel nennen, in alle Richtungen über den Ozean: Vladivostok 7656, San Francisco 7090, Schanghai 8198, Honolulu 3969 …. Seemeilen, versteht sich, nicht Kilometer. „Berlin“ ist leider nicht angezeigt, dürfte aber gut über 15.000 Kilometer entfernt sein.
Tief beeindruckt nehmen wir einen tiefen Zug der wohl saubersten Luft der Welt, und lassen unseren Blick nach Süden schweifen, in die blaue, weite Leere. Kein Wunder, dass die Rapa Nui in ihrer Insel irgendwann Te Pito o te Henua sahen, den „Nabel der Welt“: Nachdem der Mensch selbst, eine Klimakatastrophe oder ein Vulkanausbruch die Insel entwaldet hatte, waren diese ehemals großen Seefahrer hier am Weltenrand gestrandet, und mussten nach einigen Generationen davon ausgehen, dass sie auf ihrer Insel ganz allein auf dieser Welt waren, mitten in der Weltvergessenheit des Ozeans.
Wir schauen auf den Horizont. Hinter ihm liegt für Tausende von Seemeilen nur ein großes Nichts, und dann, wo die Eisberge schwimmen, der menschenleere Kontinent, die Antarktis.
Quelle: blog.zeit.de

 


April 2007

Was allein reisende Damen erleben - ein Fazit

Im Umgang mit der osterinsulanischen Männerwelt ist folgendes zu bedenken:

 

  1. Zahlen (Alter, Anzahl von Geschwistern etc.) sind Schall und Rauch.

  2. Alle Männer der Insel sind a) Künstler, b) Fischer, c) Künstler, d) in „construcción“ tätig,
    e) Künstler, f) sowieso Unikate („único“).

  3. Touristinnen gegenüber geben sich auch die Männer durchaus „soltero“, auf die zu Hause (oder auch neben ihnen!) Frau und Kinder warten.

  4. Kinder sind etwas ganz wunderbares!! Daher wird gerne die Möglichkeit gemeinsamer Nachkommen angesprochen („Ich möchte Kinder von Dir!“) – dies auf der Basis eines Kennenlernens ab 2 Stunden.

  5. Einladungen zu Pferdeausritten führen gerne an einer abgelegenen Hütte im Campo vorbei...

  6. Nach Möglichkeit wird die Auserwählte nicht mehr eine Minute aus den Augen gelassen – die Konkurrenz schläft nicht!

 

 

  1. Wofür sind Rapa Nui seit jeher bekannt? Richtig: Fürs Stibitzen und Geschichten erzählen.

  2. Wer Zeit für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung von „Turistas“ hat, lebt auch sonst gerne ein sorgenfreies Leben (übermäßiger Stress wie z.B. durch Arbeit wird möglichst vermieden).

  3. Und wie überall: Vorsicht, wenn Alkoholkonsum o.a. im Spiel ist (besonders zum Tapati-Fest und Diskobesuch). Die Hemmschwellen sinken und mit der Erinnerung ist es auch so eine Sache...

Die Erlebnisse dieser allein reisenden jungen Frau hätte sie auch in der Türkei, Italien, Tunesien, Griechenland und so weiter haben können. Das sei zur Ehrenrettung der Herren auf der Osterinsel noch angemerkt. Darüber, dass speziell deutsche Frauen dem Charme mancher Ausländer nur schwer widerstehen können, sollten sich die deutschen Männer durchaus mal Gedanken machen.

Peter Hertel


März 2007

Sönke Böge reist seit 1963 regelmäßig auf die Osterinsel

(Auszüge aus seinem Bericht)

Jahresbeginn 2007 im Paradies mit kleinen Fehlern

Seit vielen Jahren bin ich zwischen Januar und Februar auf der Osterinsel zu Gast und war auch in diesem Jahr wieder dort. Zum ersten Mal (1963) reiste ich noch mit dem Schiff von Chile aus, angeregt durch Thor Heyerdahls Aku-Aku, und begleite seither die Entwicklung dieser Insel und ihrer Bewohner schon seit 30 Jahren mit einer Mischung aus Staunen, immer größerer Faszination und nie endender Überraschung.

 

"Alter" Osterinselfreund: Sönke Böge

Nach viel Lektüre, Studien am Ort und Gesprächen mit Forschern aus der ganzen Welt komme ich zum Schluss, dass bei jeder der vielen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte stets zwei neue ungelöste Fragen auftauchen. Wie sieht Rapa Nui heute, im Januar 2007 aus? Welch ein unglaublicher Wandel. Auf der Insel leben jetzt etwa 4.000 Menschen, zirka 2.000 «Rapa Nui», also Nachfahren der Ureinwohner, schon stark vermischt mit anderen Polynesiern und auch Chilenen sowie etwa 2.000 zugewanderte Chilenen, dazu kommen rund 100 Einwohner anderer Nationalitäten, darunter auch zehn Deutsche. In der hübschen Kleinstadt Hanga Roa gibt es zwei Supermärkte, alle notwendigen Dienstleister wie Apotheke, ein kleines Krankenhaus, natürlich zwei Cybercafés, eine Feuerwehr, drei Schulen mit insgesamt 900 Schülern, eine Sporthalle, 20 nette Restaurants, 12 Hotels und etwa 20 Pensionen. Der Tourismus ist auf etwa 500 bis 600 Besucher beschränkt, die einmal täglich auf dem Flughafen Mataveri landen und im Schnitt vier Tage bleiben und mit Blumenkränzen begrüßt werden. Agenturen, Führer und Mietwagen stehen zur Verfügung. Außer Spanisch, der offiziellen Sprache, sprechen die Menschen Rapa Nui, das jetzt wieder unterrichtet wird und viele auch Englisch.
Der Ort hat freundliche Häuser mit blühenden Bäumen und Sträuchern. In den meisten Gärten stehen Skulpturen aus Stein oder Holz. Es gibt eine Markthalle und eine am Sonntag komplett volle, geräumige und moderne Kirche, dazu Läden und Kunstgalerien.
Die Straßen im Ort sind gepflastert, der frühere rote Vulkanstaub ist verschwunden und drei Mal in der Woche gibt es das hervorragende Folklore-Ballett Kari-Kari zu bewundern. Die Menschen sind vorsichtig freundlich, hilfsbereit, selbstbewußt und vielfach hervorragende Bildhauer. Jetzt im Sommer hört man gute Life- Musik mit Rapa-Nui-Gesängen in den Restaurants.
Junge Rapa Nui, die in Chile studieren, kommen in den Ferien vom Festland, Forscher, Museumsdirektoren, Musiker, Gelehrte, alles trifft sich in dieser Zeit. Über 1.000 Bücher sind über die Inselkultur geschrieben worden, Filme wurden gedreht.
Als Krönung des Ganzen werden unten am kleinen Hafen neben den Tauchschulen nun, gesponsert von Philips, einige Moais abends beleuchtet, so dass wir zu Sylvester zünftig, sogar bei Vollmond auf das Jahr 2007 anstoßen konnten.
Welch ein Wandel gegenüber der Zeit vor 50 Jahren. Es gibt einen gewissen Wohlstand, 80 Taxis versorgen die 4.000 Einwohner, 1.000 Autos fahren bereits auf der Insel. Und damit sind wir schon bei den kleinen Fehlern. Wohin mit dem Müll? Abwasser-Klärung? Verkehrslärm mit knatternden Motorrädern der jungen Leute. Wird die Insel vom südamerikanischen Festland überrollt?
Wie sieht es nun mit den Kulturdenkmälern aus? Wie steht es um das «Freilichtmuseum»? Um es vorwegzunehmen, es ist einzigartig, schön, beeindruckend und grandios. Am Ortsausgang entstand das kleine, aber sehr gut sortierte Museum Sebastian Englert, nach dem Ulmer Mönch benannt, der 1935 bis 1969 hier Gemeindepfarrer war und unter anderem die erste Grammatik der Rapa-Nui-Sprache schrieb und wie ein Vater verehrt wurde.

 

Der junge Museumsdirektor Francisco Torres Hochstetter bietet ein vielfältiges Programm mit Ausstellungen und Touren speziell für die Kinder der Insel während der Schulferien an.
Neben dem Museum ist der alte Kultplatz Tahai wieder aufgebaut mit dem einzigen Moai, der ständig seine Augen hat, also „sieht“ und sogenanntes Mana besitzt.

Das Freilichtmuseum fordert seinen Preis. Die Petroglyphen und Statuen sind Wind und Regen ausgesetzt. In die schönen Steinzeichnungen, in die Statuen dringt Regenwasser, denn das Rohmaterial ist ja zumeist weicher vulkanischer Tuffstein. Die natürliche Verwitterung und Beschädigungen durch Touristen sowie die überall frei herumlaufenden Pferde sind nicht zu übersehen. In einem Langzeitversuch an einigen Moais wurden von der Firma Wacker-Chemie aus München Versiegelungen mit Silikonen vorgenommen. Das Ergebnis wird jetzt im Mai 2007 vorliegen.
Die Einwohnerzahl wächst dramatisch. Chile hat die Osterinsel als steuerfreies Paradies und ohne Kriminalität entdeckt. In den letzten zehn Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl von 2.000 auf 4.000, man rechnet bei diesem Rhythmus im Jahre 2020 mit etwa 10.000 Menschen. Davon, und dies ist entscheidend, werden 60 Prozent zugewanderte Chilenen oder auch „Contis“ sein, wie die echten Rapa-Nui sie nennen.
Dazu kommt die Umweltbelastung an Abwasser, Müll, 1.000 Autos, 1.000 Motorrädern. Wieviel Touristen verkraftet die Insel aus? Kann das ökologische Gleichgewicht wieder kippen wie wahrscheinlich schon einmal vor 400 Jahren?
Schon werden Stimmen laut, die Zuwanderung aus Chile zu limitieren, das Modell „Singapur“ mit seinen Fahrzeugsquoten wird diskutiert, den Antrag auf ein Spielcasino konnte man bereits abwehren. Aber wie lange noch? Der Strandmüll und der angeschwemmte Meeresabfall wird bisher nur auf Privatinitiative gesammelt.
Die CONAF hat viel zu wenig Leute, um den ihr anvertrauten Parque Nacional Rapa Nui mit seinen Denkmälern zu schützen. Wir sprechen mit vielen Menschen, hier geborenen Rapa Nui, die als Hoteliers, Ladenbesitzer, Archäologen oder in der Verwaltung der Insel arbeiten.
Wir fragen die „zugewanderten“ Maler, Forscher, Intellektuellen, die seit vielen Jahren hier leben und arbeiten und sich wie zu Hause fühlen. Die Lösung? Eindeutig Limitierung überall, bei Autos, Touristen, Arbeitserlaubnissen, eine „Eintrittsgebühr“ am Flughafen von zehn bis 20 US-Dollar, um die Mittel für wirksamen Schutz der archäologischen Stätten und Statuen zusammenzukriegen. Wird es gehen? Der Anfang wurde von einigen Jahren gemacht, als der chilenische Staat den auf der Insel geborenen Rapa Nui ihr Land zurückgab.
Außerhalb des Parque Nacional, der die gesamte Küste mit allen Baudenkmälern und archäologischen Stätten schützt, wurde den Einwohnern ihr Land in großen oder kleineren Grundstücken zurückgegeben. Dieses Land darf nur untereinander, an andere Rapa Nui verkauft werden. An Ausländer gibt es nur Vermietung.
Das Ergebnis ist nach nur kurzer Zeit verblüffend positiv. Eine „Entzerrung“ vom Ort Hanga Roa auf das Land hat eingesetzt, Bäume und Sträucher wurden angepflanzt, hübsche kleine Häuser entstehen überall, sowohl traditionell aus Vulkanstein gebaut oder auch als Fertighaus aus Chile importiert. Die Insel wird wieder grün und bewaldet. Jetzt hat man sein eigenes Land wieder und will es auch bebauen. Einige wollen vermieten.
Ein Alterssitz für wohlhabende „Contis“ auf Mietbasis? Warum nicht? Projekte gibt es. Ein Freund, Mike Rapu, fährt mich hinaus aufs Land, wo auf einem seiner Grundstücke das exklusive Öko-Hotel Explora entsteht, schön und praktisch unsichtbar in einen Hang hineingebaut mit eigenem Tiefbrunnen und Kläranlage. Investition: rund 4 Millionen US-Dollar. Die Hotelinhaber dürfen es eine Reihe von Jahren bewirtschaften, dann gehört es ihm.
Wenn es nach den jungen unternehmerischen Rapa Nui geht, die trotzdem fest in ihren Traditionen verwurzelt sind, dann wird diese Insel am Ende der Welt in zehn Jahren ein anderes, wieder bewachsenes Gesicht haben. Wasser gibt es genug, das konnte ich bei einer Wanderung in der Inselmitte zum Rano Aroi mit seinen Wäldern feststellen.
Die Insel wird aber trotzdem auch künftig ein magischer Anziehungspunkt für all´ diejenigen sein, für die nicht alles erklärbar und logisch ist, wenn sie staunend vor den Zeugen dieser Kultur mit all ihrer Magie und Ausstrahlung stehen.
Iorana, rapa nui, bis zum nächsten Jahr.

Sönke Böge

Quelle Bild und Text: Condor online: http://www.condor.cl/8-9-3735.html


 

Januar 2007

Die Magie von Rapa Nui

die Osterinsel gilt als einer der geheimnisvollsten Orte der Erde

Als die Maschine aus Santiago de Chile zum Landeanflug ansetzt, reißen die Wolken endlich auf und geben den Blick frei auf ein Felsdreieck in der Weite des Pazifiks. Rosenrot und schwarz glimmt das vulkanische Gestein, neongrün leuchtet frisches Gras. Blumenketten werden den Fremden zur Begrüßung um den Hals gelegt: Willkommen auf dem östlichsten Außenposten der Südsee. Die Osterinsel ist das einsamste Eiland der Welt. 3700 Kilometer liegt sie vom chilenischen Festland entfernt im Stillen Ozean. Rapa Nui heißt sie in der Sprache ihrer Einwohner, die mit dieser Bezeichnung nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Sprache benennen. Ihre Zugehörigkeit zu Polynesien steht diesen Menschen ins Gesicht geschrieben: Sie wirken wie Figuren auf Gauguins Tahiti-Gemälden. Rapa Nui gilt als einer der magischen Orte dieser Erde, und was das meint, werden wir am nächsten Tag erfahren, wenn die Erschöpfung durch die endlose Anreise und die Zeitverschiebung um einen traumlos langen Schlaf gemildert ist.

Eindrückliche Giganten

Am Morgen brechen wir auf. Gleich hinter den letzten Häusern und Hütten der einzigen Siedlung, Hanga Roa, beginnt die Grassteppe, durchsetzt von Gesteinsbrocken, entfernt an Irland und Schottland erinnernd. Bald machen wir die Küste aus, die von Basaltsäulen und chaotischem Schlacken-Gekröse gesäumt wird, gegen das der Pazifik ungestüm brandet. Es gibt auf Rapa Nui nur zwei kleine Sandbuchten, die zum Baden taugen. Warum also, denkt man für einen Augenblick, ist man fast um den halben Erdball geflogen, um diese Insel zu sehen?

Doch dann sind wir plötzlich umzingelt. Was aus der Ferne wie Findlinge aussah, sind in Wirklichkeit Riesen. „Moai“ nennen die Rapa Nui die tonnenschweren Figuren mit den übergroßen Köpfen.

 

Natürlich hat man die geheimnisvollen Giganten schon auf Bildern gesehen. Und doch weiß man in dem Moment, als man vor ihnen steht, dass sich die weite Reise gelohnt hat. Allein fast 400 Kolosse sind am Krater Rano Raraku zu finden, wo die Werkstatt der Steinmetze lag.

Fragen ohne Antwort

Der Verlust der Erinnerung ist ein Umstand, der bis heute den Wissenschaftern die Arbeit erschwert und die Reisenden in ihrer Neugier bremst. Man kann über die Insel staunen, von ihr berührt werden, aber man kann sie ebenso wenig verstehen wie den Rhythmus und das Lebensgefühl ihrer Bewohner. Längst haben wir beim Wandern unseren forschen Schritt dem gemächlichen Schlendern unserer einheimischen Führerin angepasst. Später erst, nachdem wir längst abgereist sind, spüren wir allerdings, dass die Momente, als wir müßig dem heranrollenden Ozean entgegentrödelten, auf die Kraterseen oder die zu Hunderten frei herumstreifenden Pferde sahen, die besten Augenblicke der Reise waren. Oder als wir am „Nabel der Welt“ verweilten, einem glatten, runden Stein, der sich viel wärmer anfühlt als jeder andere auf der Insel.
Nur einmal im Jahr erwacht das Eiland aus seinem ruhigen Gleichmut, beim zwei Wochen dauernden bacchantischen „Tapati Rapa Nui“, wenn die Inselkönigin gewählt wird und man sich in einer Mischung aus Südsee-Karneval und sportlichen Wettkämpfen ergeht. Die Feiern beziehen die Reisenden ein. Man näht Kostüme für sie, auf das sich jeder wie ein Insulaner fühlen darf.

Claudia Diemar  (21. Dezember 2006, Neue Zürcher Zeitung)

 


November 2006

Kerstin aus München
berichtet von der Osterinsel, die sie auf ihrer Weltreise besucht hat. (November 2006)
(Quelle: Wissen.de/Reisen)

Die Moais

Die Osterinsel, eigentlich Rapa Nui, hat mir super gut gefallen. Der weite Weg hat sich gelohnt. Ich bin immer noch begeistert von dem türkisfarbenem Wasser. Ich hab sowas noch nie gesehen. Man kann ewig raus schwimmen und sieht immer noch den Grund. Und wenn man Glück hat auch lustige bunte Fischschwärme, die an einem vorbei schwimmen. Ansonsten gab es auf der Insel drei Vulkane und ein paar Höhlen zu besichtigen. Und natürlich dutzende Moais (so heißen diese Steinfiguren). Ich frag mich immer noch wie sie damals diese Tonnen schweren Steinkolosse dort hintransportiert haben. Hut ab. So viel ich weiß, wurden sie aufgestellt um die Stärke eines Verstorbenen, (der musste natürlich was drauf gehabt haben) für den Stamm zu bewahren. Dies ist auch der Grund, warum zu jener Zeit, als sich die zwei Stämme auf Rapa Nui (die Kurz- und die Langohren) bekriegt haben, sie sich gegenseitig ihre Figuren umgeschmissen haben. Sie wollten den anderen Stamm schwächen. Auch heute gibt es auf der Insel noch super umgeschmissene Moais.

 

 


Ich fand auch die Kultur interessant, die sich auf dieser Insel entwickelt hat. Es gibt wohl zwei große Einflüsse - zum einen Chilenen (oder Leute vom Kontinent) und zum anderen Polynesier. Gerade die zweite Gruppe wirkte auf mich sehr fremdartig. Menschen mit sehr dunkler Haut und stechenden dunklen Augen. Ich habe auch noch nie so viele Männer mit langen Haaren auf einem Fleck gesehen. Was mir auch sehr gut gefallen hat war ihre Musik, zu der natürlich traditionell getanzt wurde
Tja, die Schattenseiten der Insel sind zum einen die horrende Preise, zum anderen die Massen an Kakerlaken. Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich in der billigsten Absteige der ganzen Insel gehaust habe. Es ist echt unglaublich, Kakerlaken in meinem Zimmer, im Bad, in der Küche und sogar am Strand. (Ich leide immer noch unter leichtem Verfolgungswahn). Essen gehen war auch kaum drin für mich, weil ein Gericht mit Getränk schon 15 Euro gekostet hat.
28.November 2006

 


Oktober 2006

Auch Fahrradfahrer fasziniert die Osterinsel

Thomas Gand macht hier auf seiner Weltreise Station

 


Routen auf der Insel

Ich war vom 19. bis zum 24. Juni 2006 auf der Osterinsel. Mein Eindruck zur Osterinsel in einem Satz: Ein schon an sich wunderschöner Ort, auf dem ich stundenlang in der zumeist unverbauten Natur herumwandern und -fahren könnte, aber die größte Faszination und was diese Insel einmalig macht, ist, dass man dabei auf dem abgelegendsten Flecken dieser Erde unterwegs ist, tausende Kilometer von den nächsten Menschen entfernt, ein atemberaubendes Gefühl.
Nach fünf Stunden Flugzeit tauchte aus den Wolken eine kleine, von tosenden Wellen umbrandete Insel auf. Mit Javier aus Chile, der auch auf Tahiti gewesen war, wurde ich zum Gästehaus Apina Turuna gefahren. Zwar war das Wetter nicht so toll, da grau, windig und regnerisch, aber dafür war genug Gesellschaft im Gästehaus. Javier, der seit einem Jahr wieder heimischen Boden betrat (auch wenn der 3.700 km von seinem eigentlichen Zuhause, dem chilenischen Festland, entfernt ist), rettete mich über meine doch noch erschreckend bescheidenen Spanischkenntnisse hinweg. Nach einem ausgiebigen Pisco-Abend erkundeten wir die Insel am nächsten Tag mit einem Jeep, erklommen Vulkane und wanderten an unzähligen Moais vorbei.

 

Mit Ivan aus Chile konnte ich dann nach drei Tagen endlich tauchen gehen, da das Wetter sich langsam besserte. Doch von der weltweit einzigartigen Sichtweite von bis zu 100 Metern, für die die Insel unter Tauchern berühmt ist, konnte aufgrund des vorherigen schlechten Wetters nicht wirklich die Rede sein.

Thomas Gand (links) und Javier waren mit dem Radl da

 

Javier hatte den letzten Schritt seiner einjährigen Reise angetreten. Ich erkundete mit Ivan, Pedro aus Spanien und Vladimir aus Israel die Insel per Rad und zu Fuß, denn so langsam zeigte sich sogar hier und da blauer Himmel. Fünf Tage nachdem ich auf dieser kleinen mystischen Insel mitten im Nirgendwo, mit nur einem Ort, einer Bank, vielen wilden Pferden, einer schroffen Lavaküste und einer schwer zu beschreibenden Atmosphäre, gelandet war, musste ich mein Rad schon wieder auseinanderbauen und verpacken. Mit Ivan, Pedro und Vladimir bestieg ich den Flieger nach Santiago de Chile. Es waren tolle Tage an diesem entlegendsten Ort der Erde gewesen
Thomas Gand

http://www.reiseleben.de


Februar 2005

Lisa und Mike Neun auf der Osterinsel

Die beiden „Freunde der Osterinsel“ waren Anfang Februar 2005 vor Ort. Lisa Neun, die Künstlerin der Expedition, hat ihre Eindrücke in Zeichnungen umgesetzt. Hier einige Kostproben, den Rest und weitere Erlebnisse finden Sie auf der Seite:

zu Lisa Neuns Homepage

Hanga Roa Main Street

Was macht man an einem normalen Tag in Hanga Roa? Die meisten Sehenswürdigkeiten sind bereits besichtigt, auch die körperlichen Aktivitäten wurden absolviert. Man ist geschwommen, gewandert und hat gefischt. Der Sinn steht nach Seele baumeln lassen. Ein klarer Fall für einen Besuch auf der Hanga Roa Main Street. Hier handelt es sich um den größten Supermarkt der Stadt, nicht so eine windige Hütte. Die Regale sind sogar voll, was nicht selbstverständlich ist. Wir entschieden uns dann aber doch nichts zu kaufen, sondern essen zu gehen, in eines dieser angenehmen Osterinsel Restaurants.

Die Osterinsel ist doch das Zentrum der Welt

Das beweist auch die riesige Landepiste am Rano Kao

Den weiteren Tag wollten wir wie die Rapa Nuis gestalten. Nur leider fehlten uns die Pferde, um damit standesgemäß stundenlang vor den diversen Läden abzuhängen. Die Alternative ist das sogenannte Rapa Mainstreet Cruising. Wir nahmen also unseren Mietwagen und fuhren die Strasse auf und ab, wie das auch Napo, unser Inselfreund, zu machen pflegt. Leider wird Mainstreet Cruising schnell langweilig, wenn man wenig Menschen kennt. Als wahrer Rapa Nui Cruiser bleibt man nämlich alle paar Meter stehen, weil man Nachbarn, Freunde, Schwiegermütter, Tanten oder Cousins trifft.

Warum sie Statuen schufen

Vor Hunderten von Jahren besiedelte auf der Osterinsel jede Großfamilie ein bestimmtes Inselareal, meist in Küstennähe, weil dort wegen des frischen Grundwassers die Flüssigkeitsversorgung gewährleistet war. Die Leute lebten hauptsächlich im Freien, nur wenn es die Witterung nicht anders zuließ, suchten sie in einer der vielen Höhlen Unterschlupf.

Nachdem sich dadurch keine großartige Baukultur entwickelte und auch keine Malerei, musste sich die kulturelle Energie der Osterinsulaner anderweitig entladen. Architekturgenies fokussierten sich daher aufs Bauen von Ahus, riesigen, rampenförmigen Steinaufschichtungen, die als Zeremoniestätten für Ahnen- und Totenkult sowie als Begräbnisstätten für herausragende Mitglieder der osterinsulanischen Gesellschaft dienten. Maler und Bildhauer reagierten ihre Kreativität an der Herstellung der Moais ab, die die Ahnen der Familien darstellten und auf den Ahus aufgestellt wurden, und die Modeschöpfer zogen nicht nur die Priester an sondern auch die Steinfiguren.

 

 

 

 

Auftraggeber für diese Anlagen waren die Clans, die das jeweilige Inselareal bewohnten. Jeder Clan hatte seine eigene Anlage, insgesamt waren es um die 245. Und was dem Deutschen der Mercedes war dem Rapa Nui der Moai – er musste größer, schöner, innovativer sein als der des Nachbarn. Der größte Moai, er ist so um die 21 Meter hoch, befindet sich im halbfertigen Zustand im Steinbruch und ist nie vollendet worden.

Lange Zeit war die Herstellung der Moais ein großes Rätsel. Zeitweise gab es sogar die Philosophie, dass die Moais von Außerirdischen gebracht worden wären, weil es auf der Insel dieses Gestein, aus dem die Moais bestehen würden, gar nicht geben sollte. Stimmt aber nicht, es gibt den Stein. Im Rano Raraku, einem Steinbruch, der in einem Vulkankrater errichtet wurde. Und nachdem der Stein sehr weich ist, es handelt sich dabei um Lapilli-Tuff, war es letztendlich nicht allzu schwierig, diese großen Statuen zu schnitzen und auch zu bewegen.

Schwierig war es, und darin besteht ja die Aufgabe des Bildhauers, die Statuen zu finden in diesem unförmigen Berg. Man kennt ja das Bildhauervorgehen „Ich erzeuge die Skulptur nicht, ich lege die im Stein vorhandene Figur bloß frei“. Und nichts anderes macht der Bildhauer auf Rapa Nui.

Die Statuen werden also freigelegt und soweit herausgeschnitzt, bis unten nur mehr ein kleiner, schmaler Grat übrig bleibt. Er wird durchlöchert, damit man an der Statue dann was anbringen kann, um sie hochzuheben. Man vermutet einen Lattenrost. Glaubt ihr nicht? Stimmt aber.

Ich habe jetzt keinen Lattenrost gezeichnet, weil mir das zu kompliziert war. Den müsst ihr euch vorstellen. Was ganz sicher stimmt ist der Schweiß, den die Leute beim Aufstellen produziert haben. Weil auch wenn die Dinger aus Tuffstein sind, sie waren ganz bestimmt sehr schwer.

Nachdem man den Moai auf dem richtigen Ahu aufgestellt hatte, wurden ihm Augen aus echten Korallen eingesetzt und er dadurch zum Leben erweckt.

Was bedeute uns heute die Moais? Nina Neun ist der Meinung, das könne man sich raussuchen.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen der Erlebnisse von Lisa Neun auf der Osterinsel.

 


März 2003

 

Osterinsel – Beeindruckende Landschaften und gigantisches Menschenwerk

Gastfreundliche Einwohner, riesige Vulkankrater, eine tobende Brandung an den Küsten und wilde Pferde auf einer grünen Insel mit subtropischer Fauna. Das allein wäre schon ein ausreichender Grund zu einer Reise auf die Osterinsel. Hinzu kommt ihre Einsamkeit. Die Osterinsel ist das Eiland auf der Erde, das am weitesten von allen anderen bewohnten Gebieten entfernt liegt. Ihre Weltberühmtheit aber verdankt sie den steinernen Riesen. Die über 1000 bis zu 20 Meter hohen,  aus dem Lavatuff oder Basalt der Insel herausgemeißelten menschenähnlichen Statuen sind einmalig. Mit ihrem rätselhaften, vielleicht sogar hochmütigem Gesichtsausdruck beeindrucken sie jeden Besucher. Diese Statuen haben Generationen von Reisenden immer wieder Stoff zu neuen Rätseln gegeben.
Am Ostersonntag des Jahres 1722 landeten hier als erste Europäer der Neuzeit die Holländer, daher der Name. Seit 1888 gehört die Insel zu Chile. Worüber heute die Ureinwohner, die Rapa Nui, nicht besonders glücklich sind. Sie glauben, dass die Insel als selbstständiger Staat und bei dieser Einmaligkeit von der ganzen Welt unterstützt würde.
Die Osterinsel ist aus drei Vulkanen vor rund drei Millionen Jahren entstanden. Die Lava der Vulkane ergoss sich ineinander, wodurch die 170 Quadratkilometer große Insel in Form eines Dreiecks entstand.

„Die Rätsel der Osterinsel sind ihre Besucher“ Fremdenführer Josef W. Schmid

In Hanga Roa, dem einzigen Dorf der Insel, leben etwa 4000 Menschen. Fast alle sind römisch-katholisch und besuchen mit Begeisterung die einzige Kirche der Insel. Die Orgel wird durch einen Akkordeonspieler, einen Trommler und viele kräftige Stimmen ersetzt. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 20. Die Insulaner leben in großen Familienclans. Hier ist einer für den anderen da. Privatbesitz ist so gut wie unbekannt. Vorratswirtschaft lohnt nicht, denn die Nachbarn oder Freunde brauchen garantiert etwas. Die Kinder sind überall zu Hause, keiner macht sich Sorgen, wenn sie mal abends nicht kommen.
Geld wird nur ab und zu benötigt. Steuern müssen keine gezahlt werden, das Telefon ist für Inselgespräche frei, Kranken- und Rentenversicherung gibt es nicht und die Behandlung im bescheidenen Krankenhaus ist kostenlos. Die Medikamente müssen genauso bezahlt werden, wie Wasser und Strom. Das Grundnahrungsmittel ist quasi gratis, vor den einfachen Häusern wachsen wilde Bananenbüsche mit wohlschmeckenden kleinen Früchten.
Die etwa 1000 Rinder sollen sich erst weiter vermehren und ihre Kälber versorgen. Milch wird deshalb aus importiertem Pulver angerührt. Die Rinder laufen wie die Pferde, Hunde und Hühner frei herum. „Wenn ich die Hühner einsperre“, erzählt ein Insulaner, „dann bin ich für sie verantwortlich, muss sie füttern und die anderen Dorfbewohner wollen dann von mir Hühner haben, dazu habe ich wie die anderen auch keine Lust“.
Die gewaltige Kraft der Sonne in südlichen Breiten wird nur beim Leuchtturm am kleinen Hafen genutzt. Warmes Wasser und Energie zum Kochen liefert Flüssiggas, das vom Kontinent per Schiff zur Insel gebracht werden muss.

Der Autor Peter Hertel bei seinem ersten Aufenthalt im März 2003

 

 

Die Osterinsel steckt scheinbar voller Rätsel, doch „schuld“ an den Rätseln haben die Osterinsulaner teilweise selbst. Den Insulanern saß sogar der norwegische Forscher Thor Heyerdahl auf. Von Familienhöhlen und rätselhaften Aku-Aku Skulpturen erzählten die Eingeborenen, als er 1957 dort war. Dies hatte ihn so begeistert, dass er sein Buch über diese Expedition „Aku-Aku“ nannte. Dabei gab es die im Buch abgebildeten kleinen Skulpturen nicht und hat es vor ihm ebenso wenig gegeben, wie die Familienhöhlen. Aku-Aku sind nämlich die Geister der Verstorbenen. Die Steine haben pfiffige Insulaner extra für Heyerdahl angefertigt und ihm zu lukrativen Preisen verkauft.
Spannend ist, dass die Statuen nicht auf das Meer sondern ins Inselinnere schauen. Warum? Musste die Insel nicht bewacht werden? „Hier gab es nichts zu bewachen“, schmunzelt der Fremdenführer Josef W. Schmid. „Um die Insel sind fast 4000 Kilometer Wasser, da kam keiner“.
Dass die Statuen hochverehrte Ahnen verkörpern und deshalb zur Siedlung schauten ist heute klar. Dass sich die Siedlungen entlang der Küste um die Insel ziehen, hängt mit dem Trinkwasser zusammen. Der Inselboden ist porös und nimmt das Regenwasser wie ein Schwamm auf. Die untere Grenze dieses Reservoirs wird durch das Salzwasser des Pazifiks gebildet, das Trinkwasser ist leichter und schwimmt obenauf. Tritt Ebbe ein, dann läuft das Trinkwasser an den Ufern der Insel ins Meer und konnte in kleinen Zisternen aufgefangen werden.
Die Statuen sind teilweise so riesig, dass sich lange Zeit niemand vorstellen konnte, wie man sie aus dem Felsen gemeißelt hat. Doch im frischen Bruch ist der Lavatuff relativ weich. Die verwendeten Steinbeile aus Basalt sind in der Bildhauerwerkstatt noch zu finden. 
Knapp 400 Statuen sind, mehr oder weniger vollendet, am Innen- und Außenrand des Kraters Rano Raraku zu sehen. Die übrigen wurden bis zu 25 Kilometer weit über die Insel zu den Siedlungen transportiert und auf großen Plattformen aufgestellt.
Die Bildhauerwerkstatt, ist nichts für an Verfolgungswahn leidende Besucher. Oben, unten, rechts und links, überall liegen Statuen. Auch wenn ihre Augen noch nicht fertig sind, hat man das Gefühl, beobachtet zu werden. Da die Arbeit im Steinbruch irgendwann im 18. Jahrhundert ein plötzliches Ende fand, werden heute die Statuen in ihren verschiedenen Entstehungsphasen vorgefunden. Zunächst haben die Bildhauer ein geeignetes homogenes Stück Fels gesucht, dieses dann grob und später auf drei Seiten fein behauen. Der Rücken blieb über einen schmalen Kiel mit dem Felsen verbunden. Dieser ist später durchlöchert worden und man hat Baumstämme durch die Löcher gesteckt, anschließend den Rest des Kieles abgetragen. Oben auf dem Kraterrand finden sich Löcher zur Verankerung der Halteseile. Mit deren Hilfe sind die Statuen „abgeseilt“ worden. Am Fuß des Kraters wurden sie in einer vorbereiteten Grube abgestellt, um nun den Rücken fertig zu behauen. Dann kam die Statue auf einen Transportschlitten mit der Nase nach unten. Nur in dieser Lage konnte sie später mühelos auf ihre Plattform mit dem Rücken zum Meer aufgestellt werden.

Die Reise zum Nabel der Welt
Kostengünstig fliegt die Lan Chile von Frankfurt/Main über Madrid und Santiago de Chile zur Insel.
Die Gäste werden mit der südseeüblichen Blumenkette begrüßt. Mietwagen kosten pro Tag etwa 40 bis 50 US $, hinzu kommt die Übernachtung in einfachen aber angenehmen Hotels zu etwa 100 US Dollar oder in Pensionen zu 30 bis 50 US $. Da das Flugzeug in der Regel nur aller vier Tage die Insel anfliegt, ergibt sich daraus die Mindestaufenthaltszeit. Doch die Insel bietet nicht nur spannende archäologische Erlebnisse sondern man kann sich auch erholen, wandern, Rad fahren oder reiten und viele nette Leute kennenlernen.
Info: LanChile über 069-29800133 oder www.lanchile.com. Sowie über www.osterinsel.ch oder direkt über info@osterinsel.ch.

Peter Hertel