Flora mit einem Beitrag zu den Palmen (unten)

 

Bitte beachten Sie die am Ende der Seite von Alexander Lang erarbeiteten Detailinformationen zur Flora auf der Osterinsel.

 

 

 

Niemand hat wohl gezählt, in wievielen Büchern und Artikeln die Osterinsel als baumlos beschrieben ist. Doch das stimmt nun aber wirklich nicht, wie dieses Bild am Ahu Akivi zeigt.

 

 

 

 
Die Osterinsel besitzt eine reizvolle und einmalige Vegetation, die Landschaft ist von erloschenen Vulkankegeln geprägt.

 

So zeigen sich große Teil der Osterinsel dem Besucher

 

Totoraschilf auf dem Kratersee des Rano Kao (Schoenoplectus californicus), im Vordergrund die etwas kleineren Pglanzen sind Polygonium acuminatum. An den steilen Kraterabhängen gedeihen auch von Menschen angepflanzt Avocado, Mango, Kaffee, Wein und andere eingeführte Pflanzen.

 

 

Die ursprüngliche Vegetation ist praktisch total ausgerottet. Versuche den endemischen Baum Toromiro (Sophora toromiro) wieder anzusiedeln, sind bis jetzt nicht richtig geglückt.

Sehr häufig finden sich sogenannte Manavai, das sind Steinkreise zum Schutze der Pflanzen.

 

 

Mit der Abholzung der Bäume wuchsen die Pflanzen nicht mehr, weil sie dem Wind und Meersalz zu stark ausgesetzt waren. Es gab einst Hunderte oder vielleicht Tausende dieser Steinringe. Die meisten sind allerdings durch die Schafzucht zerstört worden.

Nur wenige Exemplare des Mahutestrauches (Broussonetia papyrifera) sind noch vorhanden. Dessen Rindenbast diente einst als Grundmaterial für die Bekleidung der Insulaner an Festlichkeiten.

 

Überlebt haben auch ein paar endemische Gräser und Farne. Mit dem großflächigen Abbrennen des Grases im Sommer und der enormen Zunahme des frei herumlaufenden Viehbestandes (Pferde und Kühe) sind sie massiv vom Aussterben bedroht. Ebenso ein nicht endemischer Busch (Ngaoho, Caesalpinia major) deren Früchte zu Schmuckketten für Touristen verarbeitet werden.

Der Korallenbaum besitzt strahlend rote Blüten

 

In der Bucht von Anakena wurden die Palmen angepflanzt.

Palmen waren auch heimisch, ähnlich der chilenischen Jubilea Chilensis, die Honigpalme, die als welthöchste Palme mit einem Stammdurchmesser bis zu 1,80 Meter gilt. Sie wurde jedoch auf der Insel maximal sechs Meter hoch. Aushöhlungen in der Lava durch die Abdrücke verkohlter Stämme sind vor allem an der Westküste der Insel zu finden. Vor wenigen Jahren wurde sogar ein Bündel Nüsse, in der Lava eingeschlossen, entdeckt. Die Kokospalme „Cocos nucifera“ war hier nicht heimisch.

 

 

Traditionelle, von den Erstbesiedlern eingeführte, Nahrungspflanzen sind Kumara (Süsskartoffel, Ipomea batatas), Taro (Colocasia esculenta), Zuckerrohr (Toa, Saccharum officinarum), Uhi (Dioscorea alata) und Maika (diverse Bananensorten).
Zum Schnitzen wurde vor allem Mako'i benützt, eine Eibischart. Hau Hau (Triumffeta semitriloba) für Seile & Schnüre, der Rindenbast des Mahutestrauches (Broussenetia papyrifera) als Stoffersatz, Pua (Curcuma longa) als Färbemittel. Auf der Insel wachsen Tomaten, Zwiebeln und Karotten. Natürlich auch alle möglichen tropischen Früchte, aber meist nur in den Dorfgärten. Eine richtige Produktion, außer Ananas und Kopfsalat existiert nichts, an einen Export ist schon gar nicht zu denken.
Auf kleineren Plantagen werden praktisch nur Süßkartoffeln, Taro, Bananen, Ananas und wenig Futtermais angebaut. Im Sommer kommen Wassermelonen, Avocados, Mangos und Guaven hinzu. Einige verwilderte Feigenbäume werden genutzt. Europäisches Obst wie Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen ist ebenso wie Getreide nicht bekannt.
Bewässerungsanlagen gibt es außer ein paar künstlichen Teichen, die aber immer ausgetrocknet sind, keine. Zahlreiche Traktoren schaden dem Boden durch zu häufiges Pflügen.
 

Eine Art von kleinen Bananen wächst überall auf der Insel

 

Inzwischen sind wieder ganze Wälder auf der Insel gewachsen

 

Heute gibt es wieder „richtige“ und ausgedehnte Wälder auf der Insel, meist Eukalyptus. Die ersten wurden um 1900 gepflanzt und eine zweite große Aufforstung fand 1970 statt. Für die Zukunft sind Projekte für eine subtropische Aufforstung in Arbeit.

Übersicht zur Flora der Osterinsel

Die Flora der Osterinsel besteht heute zum allergrößten Teil aus vom Menschen eingeführten Pflanzenarten. Ganz anders dagegen muss es hier ausgesehen haben bevor die ersten polynesischen Siedler auf der Insel erschienen sind. Anhand von archäologischen und paläontologischen Ausgrabungen weiß man, dass auf der Osterinsel einst Unmengen von Seevögeln brüteten, praktisch die gesamte Insel war von brütenden Seevögeln besiedelt. Diese Tatsache muss man unbedingt berücksichtigen wenn man sich ein Bild vom Aussehen der ehemaligen Vegetation machen will. Einerseits hinterlassen brütende Seevögel Unmengen von Kot, Guano genannt, der sehr phosphorreich und ein hervorragender Pflanzendünger ist, andererseits brüten aber etliche Seevogelarten in selbst gegrabenen, unterirdischen Höhlen, die große Bereiche des Bodens unterhöhlen und es somit vor allem größeren Bäumen erschweren, zu wurzeln. Es ist also durchaus anzunehmen, dass sich auf der Osterinsel kein geschlossener Wald fand sondern eine eher offene, parkähnliche Landschaft mit einem artenreichen Unterwuchs und sehr dichtem Bodenbewuchs aus Farnen, Gräsern und sicher auch zahlreichen anderen krautartigen Pflanzen, von denen sich heute keinerlei Spuren mehr erhalten haben.

 

Der Farn Diplazium fuenzalidae

Zu den überlebenden Vertretern dieser ehemaligen Bodendecker gehören vier endemische, also weltweit nur hier vorkommende Farnarten: Diplazium fuenzalidae, Doodia paschalis (Nehe nehe), Elaphoglossum skottsbergii und Polystichum fuentesii.

Eine ansonsten in ganz Polynesien recht weit verbreitete Art, nämlich Asplenium polyodon (Nehe nehe) kommt hier mit einer offenbar endemischen Varietät, var. squamulosum, vor. Anhand von Sporen wurden die Baumfarngattung Cyathea nachgewiesen, die hier einst mit Sicherheit mit zumindest einer endemischen Art vorkam. Zur überlebenden endemischen Flora zählen des weiteren drei Grasarten, Axonopus paschalis (Heriki hare), Danthonia paschalis sowie Paspalum forsterianum (Heriki hare), vor allem die erstgenannte Art konnte sich mit den durch die menschliche Besiedlung hervorgerufenen Veränderungen hervorragend arrangieren und bildet heutzutage an einigen Orten geradezu Reinbestände, wie zum Beispiel am Maunga Terevaka. Die beiden anderen Arten sind seltener, und vor allem Danthonia paschalis ist stark bedroht.
 

Viel wurde geschrieben über den letzten hier aufgezählten, noch lebenden Vertreter der endemischen Pflanzen der Osterinsel, den Toromiro-Baum, Sophora toromiro (Toromiro).

Sophora toromiro (Toromiro)

Er ist eigentlich kein Baum im eigentlichen Sinn sondern vielmehr ein großer Strauch, der am natürlichen Standort wahrscheinlich nur etwa 5 bis 7 Meter Höhe erreichte. Mittlerweile ist diese Art in freier Wildbahn ausgestorben. Von der restlichen ehemaligen Flora künden heute nur noch einige wenige Funde von subfossilem Holz sowie sehr aussagekräftige Pollenfunde. Anhand von Stammresten und später auch Resten von Nussschalen wurde eine Palmenart nachgewiesen, die mittlerweile als einzige ausgestorbene Art der Insel einen vollständigen wissenschaftlichen Namen trägt, Paschalococos disperta. Diese Palme war nahe mit der chilenischen Honigpalme verwandt, aber keinesfalls identisch mit dieser. Zu den anhand von Pollenfunden nachgewiesenen Pflanzen gehören ansonsten durchweg Gattungen, die man heute noch andernorts in Polynesien findet, darunter die beiden Wolfsmilchgewächsgattungen Acalypha und Macaranga, Krappgewächse der Gattungen Coprosma, Psychotria sowie Cyclophyllum und Psydrax, die beiden letzteren Gattungen kamen auf der Osterinsel sehr wahrscheinlich mit den noch lebenden Arten Cyclophyllum barbatum und Psydrax odorata vor.
 
Des weiteren fand man Myrtengewächse wie Metrosideros und Syzygium, wobei letztere eventuell eine von den Polynesiern mitgebrachte Art, Syzygium malaccense, war. Weitere Gattungen sind das Kreuzdorngewächs Alphitonia sp., das Ölbaumgewächs Elaeocarpus sp., das Myrsinengewächs Myrsine sp. und das Klebsamengewächs Pittosporum sp., all diese Gattungen waren auf der Osterinsel mit einiger Sicherheit mit endemischen Arten vertreten. Das Ulmengewächs Trema sp., war eventuell durch die Art Trema discolor vertreten und das Flacourtiengewächs Xylosma sp. entweder durch die Art Xylosma suaveolens oder aber durch eine endemische Unterart dieser Art. Auch ein Korbblütengewächs, für das aber bisher keine genauere Zuordnung getroffen werden konnte, gehört zu den heute ausgestorbenen Vertretern der ehemaligen Pflanzenwelt. Eine endemische Art der Sandelholzfamilie, Santalum sp. ist anhand von mündlichen Überlieferungen nachgewiesen, ob diese Überlieferungen mittlerweile durch Holz- oder Pollenfunde untermauert werden konnten ist mir leider nicht bekannt.
Zu den weiteren indigenen, das heißt von Natur aus hier vorkommenden, Pflanzen gehört eine bunte Mischung aus Arten die sowohl zu den typischen Vertretern der polynesischen Pflanzenwelt gehören, als auch solcher Arten die nachweißlich aus östlicher Richtung, also vom amerikanischen Festland stammen. Hierzu zählen etliche Farne, Asplenium obtusatum (Nehe nehe), Cyclosorus dentatus, Davallia solida, Dryopteris karwinskyana, Haplopteris elongata (Atua), Microlepia strigosa (Nehe nehe), Microsorum grossum (Matu'a pu'a), Ophioglossum coriaceum, Ophioglossum reticulatum (beide Ti'a pito genannt), sowie der weltweit verbreitete so genannte Nacktfarn Psilotum nudum. Unter den einkeimblättrigen Pflanzen sind es die Gräser Agrostis avenacea, Dichelachne crinita und Dichelachne micrantha sowie die Sauergräser oder Cyperaceen , die mit einigen Arten, nämlich Cyperus cyperoides, Cyperus eragrostis, Kyllinga brevifolia, Pycreus polystachyos (alle vier Arten werden hier Rattenschwanz - Hiku kio'e genannt) und Schoenoplectus californicus (Nga 'atu), auf der Osterinsel vertreten sind. Besonders die letztgenannte Art bildet auch heute noch in den Kraterseen große Bestände. Die Gräser Bromus catharticus, Cynodon dactylon und Sporobolus africanus sind wahrscheinlich erst in moderner Zeit mit der Schafzucht auf der Osterinsel angelangt. Die restlichen einheimischen Arten kann man an zwei Händen abzählen. Das Doldenblütengewächs Apium prostratum ist in einigen anderen Teilen Polynesiens zu finden.
 

Schoenoplectus californicus (Nga 'atu)

Zu den Wunderblumengewächsen gehört Boerhavia repens, ebenfalls weit verbreitet, die auf der Osterinsel wohl einst vorkam, heute dort aber ausgestorben zu sein scheint. Caesalpinia major (Na'oho oder Nga'oho) ist ein ausladender Busch mit dornigen Trieben, er kommt von Natur aus auf der Osterinsel vor und ist auch auf einigen anderen Inseln Polynesiens zu finden. Die beiden Windengewächse Calystegia sepium ssp. roseata, welche man hier und da anhand ihrer hell rosa gefärbten Blüten erkennen kann und Ipomoea pes-caprae ssp. brasiliensis (Tanoa), die ihre Triebe am Boden entlang kriechen lässt, gehören ebenfalls zu den einheimischen Arten. Das Beifußgewächs Chenopodium ambiguum wächst an einigen Orten der Küste und kommt zum Beispiel auch in Neuseeland sehr häufig vor. Lycium sandwicense (Pua nako nako) gehört zu den Nachtschattengewächsen, es ist an der Küste sehr weit verbreitet und setzt mit seinen violetten Blütchen und seinen roten Beeren einige Farbtupfer, zur selben Familie gehört eine der seltensten Pflanzen der Osterinsel, Solanum americanum ssp. nutans (Poporo), der einst als endemische Art (Solanum insulae-paschalis) galt und hin und wieder unter dem Namen Solanum forsteri geführt wird.
 
Sehr häufig findet sich in den verschiedenen Kraterseen das Knöterichgewächs Polygonum acuminatum, das zu jenen Arten gehört die vom amerikanischen Doppelkontinent stammen. Samolus repens ist ein Primelgewächs, das unter anderem auch in Australien und Neuseeland wächst. Es kam einst auch auf der Osterinsel vor, scheint hier aber mittlerweile ausgestorben zu sein. Sesuvium portulacastrum, ein Mittagsblumengewächs, das auf vielen Inseln im Pazifischen Ozean vorkommt ist eventuell auch auf der Osterinsel zu finden, ein weiterer Vertreter dieser Familie ist der so genannte Neuseeländische Spinat, Tetragonia tetragonioides (Herepo), der hier wohl sein östlichstes Verbreitungsgebiet hat. Das Enziangewächs Centaurium spicatum, das Wolfsmilchgewächs Euphorbia serpens (Pato), das Pfeffergewächs Peperomia tetraphylla und das Kreuzblütengewächs Rorippa sarmentosa gehören zu den nicht ganz sicheren einheimischen Gewächsen, das heißt es ist bisher nicht einwandfrei geklärt ob sie hier von Natur aus vorkommen oder aber vom Menschen eingeschleppt wurden.

Sapindus saponaria (Marikuru)

 
Ganz ähnlich verhält es sich mit den beiden Bäumen Sapindus saponaria (Marikuru) und Thespesia populnea (Makoi), beide Arten sind in weiten Teilen Polynesiens und darüber hinaus verbreitet, ob sie aber auf der Osterinsel auch von Natur aus vorkommen oder von den Polynesien mitgebracht wurden ist nicht geklärt. Zuletzt sei noch Triumfetta semitriloba (Hau hau) genannt, eine Art von der man bis vor einiger Zeit annahm sie sei ein vom Menschen eingeschlepptes Unkraut. Von dieser Art weiß man mittlerweile dank ausreichender Pollenfunde, das sie zu den echten einheimischen Arten gehört.

Thespesia populnea (Makoi)

   

Diese Grasart, die den deutschen Namen Hundszahngras trägt, ist heute in vielen Teilen der Tropen und Subtropen verbreitet, die ursprüngliche Heimat ist nicht hundertprozentig bekannt.

Auf der Osterinsel gehört dieses Gras zu den Arten, von denen man nicht sicher sagen kann, ob sie von Natur aus hier vorkommen oder aber erst vom Menschen hier hergebracht wurden.

Der einheimische Name lautet Mati.

 

Cynodon dactylon

Tetragonia tetragonioides

 

Der so genannte Neuseeländische Spinat gehört auf der Osterinsel zu den einheimischen Arten, leider aber auch zu denen, die äußerst selten und gefährdet sind.

Die Pflanze wird auf der Insel Herepo genannt.

Dieses kleine, krautige Gewächs wurde nur einmal im Jahr 1877 auf der Osterinsel gefunden, mittlerweile scheint die Art dort auch nicht mehr vorzukommen.

Außerdem bleibt leider unklar ob sie überhaupt von Natur aus auf der Insel vorkam oder aber erst vom Menschen dort hingebracht wurde.

 

Peperomia tetraphylla

mit freundlichem Dank an Alexander Lang/Erfurt

Die Palmen der Osterinsel

Von Roland Knauer


Als der Wald verschwunden war, passten sich die Insulaner an.

Berlin: Mit dieser Insel konnte etwas nicht stimmen, wunderte sich bereits Jakob Roggeveen. Der Niederländer landete zu Ostern 1722 als erster Europäer auf dem Eiland im Südpazifik, das er gleich nach diesem Fest benannte. Ein halbes Jahrhundert später notierte der Brite James Cook in sein Logbuch, dass kaum eine Insel weniger Erfrischungen als die Osterinsel biete: Statt dichter, subtropischer Wälder betraten die Europäer eine karge Steppenlandschaft, in der es weder Bäume noch Bäche gab. Dabei regnet es reichlich, und im warmen Klima der Subtropen sollten dichte Wälder wachsen. Weshalb diese Bäume lange vor der Ankunft der Europäer verschwanden und wie die auf der Osterinsel lebenden Polynesier diesen Verlust verkrafteten, darüber wurde schon viel spekuliert. Ein wenig Licht in das Gestrüpp diverser Theorien bringen Hans-Rudolf Bork und Andreas Mieth von der Universität in Kiel, die in Zusammenarbeit mit internationalen Forschern, darunter Chris Stevenson von der Virginia Commonwealth University, mit ihren Ausgrabungen die Landwirtschaft der Polynesier rekonstruieren.

"Lange vor Ankunft der Europäer veränderte sich die Umwelt der Osterinsel bereits dramatisch", erklärt Bork. Das Eiland war nicht immer so karg wie im 18. Jahrhundert. Was aber war auf der Insel geschehen? Als die Polynesier mit ihren Kanus über die Südsee auf die Osterinsel kamen, fanden sie tatsächlich einen dichten Wald. Neben einer Reihe weiterer Arten wuchs dort vor allem eine der Honigpalme Jubaea chilensis ähnliche Pflanze, die in Chile wächst. "Die Strömungen des Pazifiks können die drei bis vier Zentimeter großen Nüsse dieser Palme auf die Osterinsel geschwemmt haben", so Bork. Dort wuchsen sie gemeinsam mit anderen Pflanzen zu dichten Urwäldern.

Jared Diamond von der University of California spekulierte 2005, die Polynesier hätten diesen Wald vernichtet, als ihre stark wachsende Bevölkerung mehr Ackerland brauchte. Daraufhin hätte der starke Regen mit dem ungeschützten Boden auch die Nahrungsgrundlage der Menschen weggeschwemmt. Die Menschen hätten sich so ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubt, die Bevölkerung kollabierte.

Die Schuldfrage
Terry Hunt von der Universität von Hawaii vermutet eine andere Ursache für die Entwaldung. Die Polynesier hätten Hühner und die Pazifische Ratte als Nutztiere mitgebracht. Die Nagetiere aber hätten sich explosionsartig vermehrt und die kleinen Nüsse der Palmen gefressen und damit auch die Wälder vernichtet. Die Kieler Forscher kommen zu folgendem Schluss: "In Chile vernichten die Nagetiere den Nachwuchs der sehr ähnlichen Honigpalmen ja auch nicht", so Bork. Wichtiger als dieses Argument sind aber die Ausgrabungen: An gerade einmal zehn Prozent aller gefundenen Palm-Nüsse fanden sich Nagespuren der Ratte. Damit können die Tiere kaum die Hauptschuld tragen.

Das hätten die Menschen schon selbst besorgt. Bork hat die Reste der einstigen Wälder ausgegraben. Immer wieder findet er im Untergrund Röhren, in denen Wurzeln der Palmen wuchsen. Von den Stämmen entdeckte er aber keine Reste. Ein Blick auf die Kochgewohnheiten der Polynesier und auf die chilenische Honigpalme erklärt dies. In Chile werden von den geschlagenen Palmstämmen Scheiben abgeschnitten, aus denen ein süßer, schmackhafter Saft fließt. Die Baumscheiben verrotten sehr schnell. Nach und nach schwemmte die Erosion den fruchtbaren Boden ins Meer, die Äcker verarmten. Die Menschen aber legten 1,1 Milliarden faustgroße Lavasteine auf ihre Felder. Jetzt prasselte der Regen nicht mehr auf die nackte Erde, sondern meist auf die Steine und die Erosion stoppte. Gleichzeitig verringerten die Steine Temperaturschwankungen und speicherten Wasser. Zwischen den Steinen konnten die Nutzpflanzen weiter wachsen und auch Trockenzeiten überstehen.

Ähnlich urteilte auch das Team um Chris Stevenson im Fachblatt "Pnas". Dieses hat das Alter der einfachen Werkzeuge bestimmt, die damals aus dem Vulkan-Glas Obsidian hergestellt wurden. Dabei findet es Hinweise, dass diese Landwirtschaft zwar ebenfalls an ihre Grenze stieß, das aber in verschiedenen Teilen der Insel zu unterschiedlichen Zeiten geschah. Offensichtlich mussten die Polynesier aufgrund unterschiedlicher Regenverhältnisse auf der Insel herbe Rückschläge in Kauf nehmen, konnten mit den Steinen aber Schlimmeres verhindern. "Mit ‚Kollaps‘ lassen sich diese über zwei Jahrhunderte dauernden Veränderungen in verschiedenen Regionen also kaum beschreiben", meint Thegn Ladefoged von der University of Auckland.

Quelle: http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/mensch/736803_Die-Palmen-der-Osterinsel.html