Geschichte

Die Geschichte der Osterinsel und ihrer Besucher

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Der Künstler William Hodges (1744-1797) malte als Teilnehmer der Cook-Expedition im Jahr 1774 die „Monumente der Osterinsel“

„Die Geschichte im herkömmlichen Sinne beschäftigt sich mit jenem Zeitraum kultureller Äußerungen, aus dem schriftliche Überlieferungen erhalten sind. Was davor liegt, ist Thema der Vorgeschichte,“ schrieb der Fachmann für Speläochronologie Herbert W. Franke, 1969.

 

Wo der direkte Weg wegen fehlender schriftlicher Zeugnisse nicht gangbar ist, bleiben nur die verschiedensten wissenschaftlichen Datierungsmöglichkeiten, um Licht in das Dunkel zu bringen. So lassen sich als Beispiel mit der Radiokohlenstoffmethode organische Reste, wenn auch mit einer ziemlichen Fehlerbreite, einordnen. Problem dabei ist meist die unklare Zuordnung zum einstigen Geschehen. So gibt das mit C14 bestimmte Alter eines in einem Haus verbauten Holzbalkens nicht das Alter des Hauses wieder, sondern das Alter des lange vorher gefällten Baumes. Deshalb geben diese Untersuchungen allerdings nur schwache Hinweise auf das wirkliche Leben der Menschen in jener Zeit.

 

Im Zusammenhang mit der Osterinsel kommen wir hier zwangsweise zu den Mythen und Legenden. Doch auch sie geben auf der Osterinsel keine ernstzunehmenden Hinweise auf die Geschichte ihrer Bewohner. 

Mythen beschreiben phantasievoll die Frühzeit der menschlichen Gesellschaften. Sie wurden  immer wieder mündlich überliefert, was aber eine kontinuierliche Entwicklung der Gesellschaft voraussetzt. Das heißt konkret: Das Wissen muss von Generation zu Generation weiter gegeben worden sein. Ist ein Volk über einen längeren Zeitraum aus der Geschichte verschwunden und hat keine schriftliche Hinterlassenschaft, funktioniert das natürlich nicht mehr.

 

Wichtig erscheint uns an dieser Stelle noch der Hinweis, dass die ersten Siedler möglicherweise aus einer schon hochstehenden Kultur gekommen sein könnten und ihre Geschichte quasi mitbrachten. Der Gedanke ist nicht neu.

 

Vielleicht haben die ersten Siedler die Moais errichtet und sind „einfach“ nur wieder abgereist, untergegangen oder haben sich gegenseitig umgebracht. Sowas soll ja in der Geschichte ab und zu schon vorgekommen sein.

So wäre zu erklären, dass die nachfolgenden Siedler auf der Osterinsel ein riesiges Trümmerfeld vorfanden, mit dem sie nicht viel anfangen konnten

Sicher ist jedoch, dass von den Schöpfern der Moais keine glaubhaften Überlieferungen auf uns überkommen sind.

 

Verwertbare Auskünfte können hier nur archäologische Untersuchungen, Datierungen und materielle Funde geben. Wesentliche Erkenntnisse stammen bisher der Heyerdahl-Expedition 1955/56. Nie vorher und bis jetzt auch nie nachher hatte ein so großes Team von Spezialisten über eine so lange Zeit versucht, die Vergangenheit der Insel vor den ersten europäischen Besuchern zu erforschen. Die Forschungsergebnisse sind zusammengefasst in Thor Heyerdahls Buch „Kunst der Osterinsel“.

 

Heyerdahl fand, dass in einigen Gebieten die Reste früherer menschlicher Tätigkeiten durch Winderosion und abrutschenden Sand bis zu sechs Metern überdeckt wurden. Die Schichten menschlicher Tätigkeiten ermöglichten eine Radiokarbondatierungen der Funde. Diese deuten darauf hin, dass die ersten Menschen wahrscheinlich schon kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung auf die Insel kamen. 

 

Der Norweger ordnete die Daten in drei verschiedene Kulturperioden ein.

Aus den ersten beiden Perioden stammt, beginnend ab dem 1. Jahrhundert nach Christus bis etwa 1100, megalithisches Mauerwerk und monumentale Bildhauerkunst. Der Beginn der Tätigkeit wird nach den Datierungen im ersten nachchristlichem Jahrhundert vermutet.

 

„Man hat keine Hinweise gefunden“, so Heyerdahl in seinem Bericht, „dass sich die Kunst der Steinbildhauerei erst kurze Zeit vor der Ankunft der Europäer zur Perfektion entwickelt habe.“

Die erfundene Vorgeschichte