Ahu-Plattformen

Ahu - das Fundament der Moais

Die Standplätze für Statuen, Ahus genannt, sind auf der Osterinsel heilige Orte. Diese Kult-Stätten stellen die bauliche Umsetzung der spirituellen Verbindung zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt dar. Die Anlagen verkörpern die hohe spirituelle Kraft (Mana) mit der gleichzeitigen Unantastbarkeit (Tabu). Keine Frage, dass die Ahus auch ein Symbol politischer Macht waren.

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Graphik: Anne-Sophie Hußler

Diese Bauwerke bestehen in der Regel aus einer steinernen Plattform, auf der die Moais aufgestellt waren. Eine schräge Rampe führt von einer rechteckigen Fläche, die als Vorplatz und sicher auch für religiöse Feste diente, zu der Plattform. Die dem Meer zugewandte Seite der Ahus fällt steil zum Meer hin ab.

 

Ahu ist der Begriff für die architektonischen Steinplattformen auf der Osterinsel. Sie dienten im Allgemeinen als Basis der kolossalen Steinstatuen. Es handelt sich um enorme, rampenförmige Steinaufschichtungen vorwiegend entlang der Küste mit meterhohen Stützmauern zur See gerichtet. Sie sind heute die fast einzigen Überbleibsel der einstigen zahlreichen Siedlungen. 

 

Bisher sind auf der Osterinsel rund 250 Ahus in unterschiedlichen Erhaltungszuständen gefunden worden. Über 160 von ihnen waren einst Aufstellungsorte für die Moais.

 

Je größer sich eine einzelne Siedlung entwickelte, umso bedeutender war die dazugehörige Kultstätte. Die frühen Ahus weisen hochgestellte, dürftig bearbeitete Steinblöcke als Stützmauer auf. Später kamen mehrere auf der Sichtfläche fein polierte und zum Teil konvexgeformte Steinplatten horizontal geschichtet übereinander. Ihre Ähnlichkeit zu Bauten in Südamerika hatte einst den norwegischen Forscher Thor Heyerdahl auf die Idee einer möglichen Besiedlung der Osterinsel aus dem Osten gebracht.

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Besonders gut erhalten ist ein Teil der Mauern des Ahu Vinapu

Foto: Peter Hertel

James Cook hatte die Zeremonial-Plattformen schon 1774 beschrieben:

„Die Steinarbeit ist die gleiche, die wir in England haben. Sie brauchten keine Art Zement und doch sind die Fugen überaus eng, die Steine zusammengefügt und in einer sehr kunstvollen Weise gesetzt. Die Seitenwände sind nicht senkrecht, sondern etwas nach innen geneigt, in gleicher Weise wie die Brustwehren in Europa gebaut sind, doch hat alle diese Sorgfalt, Arbeit und Geschicklichkeit nicht vermocht, diese merkwürdige Konstruktion vor den Spuren der alles verzehrenden Zeit zu bewahren.“ 

Cook bezeichnet die Statuen als „Monumente der Antike“ und unterstrich noch einmal deutlich: „dass die jetzigen Einwohner sehr wahrscheinlich nichts mit ihnen zu tun gehabt haben, da sie nicht einmal die Fundamente jener Statuen ausbessern, die im Begriff sind zu zerfallen.“ 

Wann die systematische Zerstörung der Ahus begann ist unklar. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auf der Osterinsel jedenfalls keine unbeschädigten Plattformen mehr. 

Die Ursachen sind auch heute noch umstritten. Es werden unter anderem folgende Gründe in Betracht gezogen: Bürgerkrieg und innere Konflikte, Kulturverfall durch den Einfluss der Europäer, ökologische Zerstörung, gefolgt von einer Hungersnot, Machtübernahme durch eine Kriegerkaste oder den Wechsel zum Vogelmannkult. Genauso kommen aber Erdbeben und Tsunamis, wie das Beispiel Tongariki zeigt, in Betracht.

 

Nur wenige Ahu stehen im Inselinnern. Alle sind Bestandteil eines Zeremonialkomlexes der ausschließlich dem Ahnen- und Totenkult gewidmet war. Den Monumenten aus der Zeit zwischen dem 5. bis 18. Jahrhundert n.Chr. ist ein Krematorium für die Leichenverbrennung zugeordnet und die Plattformen enthielten teilweise Grabkammern.

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Der Ahu Tongariki im Südosten der Insel ist die gewaltigste Anlage.

Foto: Peter Hertel

Heute sind zwölf Ahu restauriert zu bewundern. Die am meisten besuchten sind der Ahu Tongariki mit 15 Statuen, der Ahu Akivi mit sieben Statuen, der Ahu Nau Nau mit fünf Statuen in der Bucht von Anakena, der Ahu Ature Huke mit einer Statue, der Ahu Huri a Urenga mit einer Statue und der Sektor Tahai mit insgesamt sechs ganzen Statuen auf verschiedenen Ahu Plattformen. Die ältesten Datierungen gehen ins fünfte Jahrhundert (±200 Jahre) zurück. Die ersten Siedlungsplätze entstanden wahrscheinlich am Strand von Anakena an der Nordküste, beziehungsweise beim Zeremonialzentrum Tahai an der Westküste in der Nähe des Dorfes.

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Ahu Nau Nau in der Anakenabucht

Foto: Peter Hertel