Energie

Versorgung der Insel mit Energie

Schon auf unserer ersten Reise zur Osterinsel im Jahr 2003 machte sich die Instabilität der Stromversorgung durch häufigen Stromausfall bemerkbar. Die in die Jahre gekommenen Dieselaggregate wurden mit Diesel vom Festland betrieben. Das über die gleiche Entfernung transportierte Propan in Flaschen, für die Warmwassererzeugung, konnte allerdings auch nicht die Zukunft der Energieversorgung darstellen. 

 

Für den Betrieb der Dieselstation werden pro Monat rund 150.000 Liter Diesel benötigt, die ebenfalls per Schiff aus dem 3.700 Kilometer entferntem Chile zur Insel transportiert werden müssen. Dabei stehen auf der Osterinsel Sonne, Wind und sicher auch Biomaterialien in ausreichender Menge zur Verfügung. Es fehlen nur die technischen Anlagen zur Nutzung dieser regenerativen Energien.

 

Mit Unterstützung eines in Deutschland angesiedelten und weltweit tätigen Unternehmens wollten wir deshalb die Möglichkeiten einer autarken Versorgung der Osterinsel mit regenerativen Energien untersuchen. 

Die Idee war, dass dieses Projekt, sollte es gelingen, ein weltweit erstes Beispiel für die sehr umweltfreundliche Versorgung abgelegener Gebiete, speziell von Inseln, aber auch grundsätzlich von abgelegenen UNESCO-Welterbestätten, werden könnte. 

 

Die Osterinsel hätte, so unsere Träume, ein Musterbeispiel und Pionierprojekt für andere UNESCO-Projekte mit hohen Besucherzahlen und Besichtigungsfahrten in der Welt werden können. Schon damals hatten wir auch daran gedacht, die Beförderung der Touristen durch Elektromobile, welche durch E- Ladestationen mit regenerativer elektrischer Energie geladen werden sollten, vorzubereiten.  

 

Wir waren damals leider der Zeit voraus: Die Entwicklung der E-Mobilität, von Ladestationen und die verfügbaren E-Autos waren gerade erst im Entstehen. 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Letztlich ist das Projekt nicht an den technischen Möglichkeiten gescheitert, sondern an dem Fehlen eines geeigneten Investors, der von der gleichen Idee wie wir begeistert gewesen wäre. 

 

Das Freiberger Innovationszentrum für dezentrale Energieversorgungssysteme (IDES e.V.), unter der Leitung seines Vorsitzenden Dr. Klaus-Dieter Lietzmann, hatte 2007 mit der Erarbeitung einer Studie zum Einsatz erneuerbarer Energien für die Inselversorgung begonnen.

Dazu trafen wir uns auf der Insel, um mit den Verantwortlichen der regionalen Stromversorgung, dem Ältestenrat und der Gouverneurin, ins Gespräch zu kommen. Das Projekt erhielt grundsätzlich große Zustimmung.

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Dr. Klaus Lietzmann stellte der Gouverneurin Carolina Hotu Hey unser Projekt vor. 

Foto: Peter Hertel

Der erster Schritt war damals die Installation eines Solarpanels mit einer Kapazität von 1.000 Watt auf dem Dach des Gouverneurshauses. Der gewonnene Solarstrom wurde in einer Batterie gespeichert und beleuchtete nachts das Haus. 

Eine Informationstafel zeigte die Sponsoren und die erbrachte elektrische Leistung an. 

 

Für den schrittweisen Ersatz der Dieselgeneratoren durch den Aufbau von Solar-, Windkraft- und Biomasseanlagen sollte gemeinsam mit den Ingenieuren der Insel ein Projekt erarbeitet werden, welches die Beantragung der finanziellen Mittel bei der chilenischen Regierung und bei internationalen Fonds für den Ausbau von Anlagen zur Nutzung der erneuerbarer Energien ermöglicht. 

 

Zur wissenschaftlichen Unterstützung des Vorhabens liegt inzwischen auf der Osterinsel auch die umfangreiche Diplomarbeit von Tobias Schweigel (Universität Jena) vor. 

Ihr Thema lautet: „Erarbeitung einer Energieversorgungskonzeption für die Osterinsel/Chile auf Basis konventioneller und regenerativer Energien unter Beachtung der örtlichen Besonderheiten.“

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Die Errichtung von Photovoltaikmodulen ist am Nordhang des Kraters Rano Kao, parallel zur Piste des Flugplatzes, möglich. Das lässt in Abhängigkeit vom Energiebedarf eine spätere Erweiterung der Anlage zu. Dieses Gelände gehört nicht zum durch die UNESCO geschützten Kulturerbe. Foto: IDES

Eine Möglichkeit zur Installation von Windkraftanlagen mit Leistungen von etwa je 100 bis 200 Kilowatt, bei einer Höhe von maximal 30 Metern, ist auf dem zur südlichen Inselküste liegenden Plateau des Kraters Rano Kao gegeben, wobei die Bauhöhe der Windkraftanlagen den Vorschriften des Nationalparks angepasst werden müsste. Die Installation könnte außerhalb der Sichtweite der Moais erfolgen.

 

Die Gouverneurin der Osterinsel, Carolina Hotu Hey, begrüßte damals das Engagement der Freiberger Ingenieure. Mit den Worten: „Es ist für die Insel wichtig, die Stromversorgung zu stabilisieren, also fangen wir an“, gab sie damals das Startzeichen für dieses Vorhaben.