Lepra

Lepra auf der Osterinsel

Geschichte eines traurigen Kapitels 

Die Lepra gelangte 1860 mit zurückkehrenden Osterinsel- Fremdarbeitern aus Tahiti auf die Insel. Dort war sie vermutlich einst von billigen chinesischen Arbeitskräften eingeschleppt worden.
Im Jahr 1889 kamen drei weitere leprakranke Personen (Mann, Frau und Kind) mit dem Schiff „Pilcomayo“ von Tahiti zur Osterinsel. Sie versteckten sich in einer Höhle im Südosten der Insel, was eine weitere Ausbreitung dieser Infektionskrankheit aber nicht verhinderte. 1913 gab es bereits 80 leprakranke Osterinsulaner. 
 

Die englische Forscherin Katherine Routledge wagte sich 1915, trotz der Ansteckungsgefahr, in die Hütte des Leprakranken Tomenika, da er noch der Osterinselschrift mächtig sein sollte und ein Heft mit Schriftzeichen besaß. 
Am nördlichen Rand von Hanga Roa wurde 1917 die Lepra-Station gebaut und später erweitert. 1920 erreichte die Lepra-Epidemie auf der Osterinsel ihren Höhepunkt. Vermutlich wurde die Verbreitung der Seuche durch die wegen der Schafzucht auf etwa 1000 Hektar eingesperrten Dorfbewohner noch gefördert.
1931 kam der chilenische Arzt und späterer Militär-Gouverneur (1938/39) Alvaro Tejeda Lawrence zur Insel und kümmerte sich um die Erkrankten. 

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1936 bestimmte ein Dekret der Republik Chile, dass alle Leprakranken nur auf der Station leben durften und es verboten war, diese zu verlassen. (Aufnahme Metraux) 

1936 bestimmte ein Dekret der Republik Chile, dass alle Leprakranken nur auf der Station leben durften und es verboten war, diese zu verlassen.

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Die Fotos stammen aus dem Winter 2004 und zeigen die Reste der einstigen Leprastation. Foto: Peter Hertel

Ab 1946 gründeten der Österreicher Federico Felbermeier (Geschäftsmann in Valparaiso) und die Familie Edwards eine Stiftung für die Betreuung der Leprakranken. 1947 wurde mit dem Bau der neuen Leprastation „Sanatorio Humberto Molina Luco“ begonnen. 
Wesentliche Erfolge bei der Krankenbetreuung waren Pater Sebastian Englert zu verdanken. So kontrollierte Englert 30 Jahre lang den Umgang mit den Kranken und fand beispielsweise heraus, dass der Militärgouverneur Alvara Tejeda Spendengelder für das Leprawerk unterschlagen wollte.
Im dreijährigen Rhythmus lösten sich Ordensschwestern einander mit der Arbeit auf der Station ab. Bot sich die Möglichkeit, so halfen Ärzte von Expeditionen oder Schiffen den Kranken. So führte Dr. Brody der amerikanische Chirurg der kanadischen METEI-Expedition 1965 mehrere Operationen durch.
1951 gab es 33 infizierte Kranke, 1952 waren es 40. 1995 lebten noch fünf Kranke auf der Station und verdienten sich ihr Taschengeld mit der Herstellung von kleinen Steinfiguren, die an Touristen verkauft wurden. 

Einer zeichnete und verkauft Postkarten und T-Shirts. Er war 1993 zu einer kosmetischen Operation in Santiago, wo er ein reichliches Jahr bleiben musste und schwärmte anschließend von dieser Reise wie vom Paradies. 

Beginnend im Jahr 2003 wurden die meisten Gebäude abgerissen und mit dem Bau der neuen Inselschule in unmittelbarer Nähe begonnen.  

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Auf den Fotos ist Papiano, der letzte Leprakranke auf der Insel zu sehen. Fotos: Petra Klimscha

Papiano Ika Tuki, wie sein vollständiger Name lautet, lebt seit 1950 in der Colonia, also schon 57 Jahre. Er wurde im Jahr 1927 geboren. Das Haus, in dem er zuletzt wohnte, wurde früher vom Koch genutzt, der die Leprakranken versorgte. 

Papiano ist mit über 80 Jahren verstorben.

Wissenswertes über Lepra

Bei dieser neurologischen Krankheit sterben die Nerven ab und die Betroffenen verlieren das Gefühl für Kälte, Wärme und auch Schmerz. Ohne Behandlung verletzen sie sich oft unbemerkt und infizieren sich über die Wunden an lebensgefährlichen Krankheiten. 

 

Heute noch leben auf der Welt rund zwei Millionen Leprakranke. Die lepromatöse Lepra ist die schwerste Form der Krankheit. Durch ungehemmte Vermehrung der Bakterien verbreiten sich diese über Blutbahnen, Nervengewebe, Schleimhäute und das Lymphsystem im ganzen Körper. Die Haut ist stark verändert und von Knoten und kleinen Flecken überzogen. Charakteristisch sind die hellroten bis braunen Leprome, die das Gesicht und andere Körperteile zersetzen. Besonders im Gesicht verschmelzen diese zu einem „Löwengesicht“. Im weiteren Verlauf kann ein geschwüriger Zerfall mit Befall von Knochen, Muskeln und Sehnen und einem Befall der inneren Organe erfolgen. 

Der Tod tritt nicht unmittelbar durch den Erreger, sondern durch Sekundärinfektionen ein.
 

Lepra ist eine seit der Antike bekannte Infektionskrankheit und wird auch als Hansen-Krankheit, Aussatz oder Miselsucht (engl. leprosy) bezeichnet. Sie wird durch ein Bakterium ausgelöst und kann heute mit Antibiotika gut behandelt werden. Die Inkubationszeit kann bei Monaten oder auch Jahren liegen. Für die Übertragung beziehungsweise die Infektion mit dem Erreger bedarf es eines langfristigen Kontakts mit einem Infizierten.
 

Lepra ist eine der ältesten bekannten Krankheiten und wird schon in den frühesten Schriften erwähnt. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge gibt es eindeutige Anzeichen dafür, dass der Ursprung von Lepra in Ostafrika liegt.